Wie viele Tierliebhaber habe ich als Kind das Buch Old Yeller von Fred Gipson gelesen oder den gleichnamigen Disney-Film gesehen. Damals fragte ich mich, warum der treue Hund sterben musste. Erst mein Studium in der Veterinärmedizin und jahrelange Praxis als Tierarzt brachten Licht ins Dunkel: Tollwut ist eine tödliche Bedrohung für Tiere und Menschen.
Für Unkenner: Die Geschichte spielt im Texas nach dem Bürgerkrieg. Eine arme Familie nimmt den streunenden Hund Old Yeller auf, während der Vater auf Viehtrieb geht. Zwischen Hund und den Söhnen entsteht eine tiefe Bindung.
Nach vielen Abenteuern verteidigt Old Yeller die Familie vor einem tollwütigen Wolf, wird aber gebissen. Als potenziell infiziert wird er zur Gefahr – der ältere Sohn muss ihn erschießen.
Die Tragödie der Tollwut
War Old Yellers Tod unvermeidbar? Ja, Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keine Alternative. Tollwut führte bei Tieren zu einem qualvollen Tod und stellte eine immense Gefahr für Menschen und andere Tiere dar. Heute hat sich vieles geändert – und doch nicht alles. Tollwut bleibt für infizierte Tiere fast immer tödlich. Dank Impfungen, die damals fehlten, können wir Haustiere wirksam schützen. Eine Option, die Old Yellers Familie nie hatte.
Was ist Tollwut?
Tollwut wird durch ein Virus ausgelöst, das das Nervensystem befällt. Häufigste Übertragung: Bisse infizierter Tiere. Seltener geschieht dies durch Kontakt mit kontaminierten Körperflüssigkeiten auf Schleimhäuten wie Zahnfleisch oder Augen.
Haustiere geraten vor allem durch Wildtiere in Gefahr: Stinktiere, Waschbären, Füchse, Kojoten und Fledermäuse sind Hauptüberträger. Auch infizierte Haustiere können das Virus weitergeben. Betroffen sind Hunde, Katzen, Pferde, Rinder, Schweine und Schafe.
Als Zoonose bedroht Tollwut die öffentliche Gesundheit: Sie ist hoch ansteckend und für Menschen ebenso tödlich. Deshalb schreiben viele Gemeinden Tollwutimpfungen für Hunde, Katzen und oft Frettchen vor – zum Schutz aller.
Würde Old Yeller heute gebissen? Entscheidend ist sein Impfstatus. Geimpft? Quarantäne und Beobachtung reichen meist. Ungeimpft? Symptome bedeuten leider oft Euthanasie, wie im Film.
Schützen Sie Ihre Haustiere: Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über die Tollwutimpfung.