Dieser Brief von Dr. T. J. Dunn Jr., einem Tierarzt mit über 25 Jahren Erfahrung, erschien 1990 in einer Zeitung in Nord-Wisconsin. Er reagiert auf Kritik an hohen Operationskosten und bleibt hochaktuell.
Zu den Kosten für Kastration und Kastrierung bei Hunden und Katzen
Sehr geehrter Herr,
Als Tierarzt mit 25 Jahren Praxis möchte ich meine Sicht zum Thema Haustierpopulation teilen. Täglich arbeite ich mit Hunden, Katzen und ihren Besitzern.
Manche Halter sehen Tierärzte als Ursache für zu viele unerwünschte Tiere, weil die Operationskosten zu hoch seien. Doch diese Kritik ignoriert die Risiken einer Operation, bei der das Leben des Tieres auf dem Spiel steht.
Typische Gespräche lauten: „Ich habe sechs Katzen, die kastriert werden müssen, aber ich kann es mir nicht leisten. Was für ein Angebot haben Sie?“ Ich kann keine risikoreichen „Schnäppchen“ anbieten.
Verantwortungsvolle Halter fragen fair: „Warum kostet es so viel?“ Hier die Erklärung:
1. Ausbildung: Nur 27 US-Universitäten bieten einen D.V.M.-Abschluss. Nach 3–4 Jahren Vorbereitung folgen vier Jahre Studium (Biochemie, Anatomie, Chirurgie etc.). Kosten in Wisconsin (1990): 8.000 USD/Jahr Gebühren (11.500 USD auswärtig), 4.300 USD Unterkunft, 1.800 USD Bücher. Keine Fernkurse!
2. Approbation: Strenge Prüfungen für jede Lizenz. Ich bin in Wisconsin und Florida zugelassen.
3. Praxis: Als Selbstständiger trage ich alle Kosten: Ausrüstung, Personal, Versicherung, Löhne. Kein Urlaub, keine Renten. Gewinn bleibt nach Abzug aller Ausgaben – wie bei jedem Kleinunternehmer.
Ich wurde Tierarzt aus Leidenschaft und erwarte faire Vergütung, wie man einen Klempner für eine Reparatur bezahlt.
Warum sind Kastration und Kastrierung teuer?
Erstens muss ich meinen Lebensunterhalt verdienen. Zweitens ist es eine große Bauchoperation unter Vollnarkose in steriler Umgebung. Fehler können tödlich sein oder Komplikationen verursachen.
Vergleich: Niemand repariert selbst eine Wasserleitung – und bei Fehlern stirbt kein Haustier.
Der Ablauf einer Kastration/Kastrierung:
1. Terminvereinbarung, Vor- und Nachsorgeinstruktionen.
2. Vorop prüfung, ggf. Bluttests bei Älteren.
3. IV-Anästhesie, Intubation, Desinfektion.
4. Sterile OP mit präziser Technik.
5. Bei Kastration: Einschnitt, Gefäßverschluss, Entfernung von Eierstöcken und Uterus, Verschluss.
6. Erholung unter Aufsicht.
7. Detaillierte Nachsorgeanweisungen.
8. Reinigung.
Ausgaben (1990): Isofluran 97 USD/Flasche, Nahtmaterial 123 USD/Schachtel (2–4 pro OP). Meine Preise: Hundekastration 90 USD, Katzen 75 USD. Nationaler Durchschnitt: 88 USD.
Haustierpopulation, Tierärzte und Halter
Haustierbesitz bedeutet Verantwortung inklusive Kosten. Kastration verhindert Würfe und bietet gesundheitliche Vorteile – aber es ist eine geplante OP.
Bei Finanznot bieten wir zinslose Raten. Kritik wie „Macht es kostenlos!“ ist unfair – warum tun Zahnärzte oder Klempner das nicht?
Die Verantwortung liegt bei den Haltern. Tierärzte helfen mit Expertise – gegen faire Gebühr. In acht Jahren nur eine Preiserhöhung. Viele spenden OP für Tierheime.
Hochachtungsvoll,
T. J. Dunn, Jr., DVM
Februar 1990