Katzen bereichern unser Leben nicht nur durch Wärme und Schnurren, sondern faszinieren uns auch mit ihrem natürlichen Verhalten – hautnah beobachtbar im eigenen Zuhause.
Das Geheimnis des Katzen-Hinternwackelns vor dem Angriff
Ein besonders charmantes Verhalten: Das Wackeln mit dem Hinterteil kurz vor dem präzisen Sprung einer jagenden Katze. Nicht nur Hauskatzen, sondern auch Großkatzen wie Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare zeigen es gelegentlich. Doch warum tun sie das?
Wie bei vielen Tierverhalten gibt es Theorien, die endgültige Erklärung bleibt den Katzen vorbehalten. Viele Tierärzte sehen darin eine körperliche Vorbereitung für einen erfolgreichen Sprung – und damit eine Mahlzeit.
"Grundsätzlich treiben sich Katzen beim Sprung mit beiden Hinterbeinen ab, um vollständig abzuheben. Beim Laufen wechseln sie die Beine, beim Springen arbeiten beide synchron", erklärt Dr. Katie Grzyb, DVM.
Katzen könnten zudem den Boden testen: Auf lockerem oder unebenem Untergrund kann ein Sprung riskant werden. Ein leichtes Wackeln schafft Halt und minimiert Fehlschläge.
"Beim Zielen wackelt die Katze mit dem Hinterteil, um Gleichgewicht und festen Stand zu prüfen. Es hilft, die Reichweite einzuschätzen. Bei Wildkatzen ist es seltener, könnte aber angeboren sein", ergänzt Grzyb.
Oder dient es der Planung?
"Es wirkt, als bereiteten sie Muskeln für die Explosion vor, während sie mit feinen Fuß- und Beinbewegungen taktisieren – ähnlich wie ein Golfer vor dem Schlag", beschreibt Dr. Meghan E. Herron, DVM.
Marilyn Krieger, "The Cat Coach", zertifizierte Katzenverhaltensexpertin, Autorin und Beraterin aus San Francisco, bietet Skype-Sitzungen und Workshops. Auch sie hat Theorien:
"Beim Jagen und Spielen setzt der Körper Dopamin frei, was das Verhalten beeinflusst."
Dopamin, ein Neurotransmitter, steuert belohnungsmotiviertes Verhalten und positive Empfindungen. "Das Wackeln entlädt Energie für den perfekten Angriff. Nach dem Fang ebbt der Dopaminrausch ab", sagt Krieger.
Ist das Wackeln instinktiv oder erlernt?
Experten sind uneinig, ob es angeboren oder gelernt ist – wahrscheinlich beides. Spielen mit Kätzchen trainiert Jagdfähigkeiten und Muskeln für die Wildnis.
"Kätzchen perfektieren beim Spiel ihre Technik und straffen Muskeln", betont Krieger.
Ähnlich wärmen sich Menschen auf: Baseballer, Golfer oder Sprinter lockern vor dem Start. Unser Aufwärmen könnte die menschliche Variante des Katzenwackelns sein.
"Es wärmt Muskeln auf, schärft Fokus und birgt Aufregung oder Nervosität", fasst Krieger zusammen.
In den Worten von Oscar Hammerstein: Fische schwimmen, Vögel fliegen – und Katzen wackeln!