Von Maura McAndrew
Laut der American Pet Products Association halten mehr als 47 Millionen US-Haushalte mindestens eine Katze – im Durchschnitt zwei pro Haushalt. Diese Zahlen und der Status der Katze als Internet-Star unterstreichen: Die Hauskatze ist weltweit beliebter denn je. Doch viele Katzenfreunde kennen die Ursprünge ihrer Lieblinge kaum. Die Beziehung zwischen Mensch und Katze reicht etwa 10.000 Jahre zurück, als Wildkatzen erstmals in ländliche Dörfer zogen.
Die Ursprünge der Hauskatze
Es gibt zahlreiche Wildkatzen-Unterarten, wie die europäische oder schottische Wildkatze. Doch die moderne Hauskatze stammt von der nordafrikanischen Wildkatze ab, auch Felis silvestris lybica genannt. "Es gibt viele Wildkatzen-Unterarten, die sich kreuzen können – das macht die Erforschung schwierig", erklärt Dr. Leslie Lyons, Professorin und Leiterin des Feline Genetics Laboratory an der University of Missouri, College of Veterinary Medicine. "Bestätigt als Vorfahr der Hauskatze ist die nordafrikanische Wildkatze." Diese Art lebte nicht nur in Nordafrika, sondern auch in der Levante, im alten Anatolien und Mesopotamien. Sie passte sich vielfältigen Habitaten an und jagte Nagetiere, Reptilien und Vögel.
Heutige Hauskatzen ähneln ihren wilden Ahnen körperlich stark. "Hauskatzen und Wildkatzen teilen viele Merkmale", betont Lyons. Wildkatzen sind jedoch größer, mit braun-getigertem Fell zur Tarnung. "Orange-weiße Katzen würden in der Wildnis nicht überleben", fügt sie hinzu. Durch Selektionzucht entstanden die vielfältigen Farben und Rassen, die wir heute schätzen.
Die Anfänge der Domestizierung
"Genetische, archäologische und geologische Beweise deuten auf eine Domestizierung vor 8.000 bis 10.000 Jahren hin", sagt Lyons. Damals begannen Menschen im Nahen Osten, im Indus-Tal und am Gelben Fluss mit Ackerbau. Getreidelager zogen Nagetiere an, die wiederum Wildkatzen lockten.
"Sobald Katzen in Dörfern waren, hielten die Menschen sie wegen ihrer Mäusejagd bei sich", erklärt David Grimm, stellvertretender Nachrichtenredakteur bei Science-Magazin und Autor von Citizen Canine: Our Evolving Relationship with Cats and Dogs. Katzen schützten Ernten und Vorräte – eine Win-Win-Situation.
Deshalb spricht man von "Selbst-Domestizierung": Katzen suchten freiwillig Nähe zu Menschen. "Freundlichere Katzen erhielten Essensreste und Schutz", sagt Grimm. So wurden sie zäher als ihre wilden Verwandten.
Nützlich, göttlich, verfolgt: Die wechselnde Wahrnehmung von Katzen
Mit ihrer Rolle als Getreideschützer festigte sich die Mensch-Katze-Bindung. Archäologen fanden Belege in China und auf Zypern. 2004 entdeckte Jean-Denis Vigne auf Zypern ein Grab aus 7500 v. Chr. mit Mensch und Katze.
"Die Katze lag einem Menschen gegenüber, umgeben von Muscheln – ein Hinweis auf enge Bindung", beschreibt Grimm.
In Ägypten ab ca. 1950 v. Chr. wurden Katzen verehrt: Sie jagten Schlangen und Schädlinge. "Sie wurden mit Göttern assoziiert", sagt Grimm.
Um 600 v. Chr. mumifizierte man Tausende Katzen als Opfergaben – ein florierendes Geschäft. Lyons' Studie von 2012 verglich Mumien-DNA mit modernen Katzen: "Alle Mumien trugen nahöstliche Sequenzen, wie heutige ägyptische Katzen. Sie sind direkte Nachkommen." Das beweist: Hauskatzen existierten bereits vor der Pharaonenzeit.
Nach dem Ägypten-Höhepunkt erlitten Katzen in Europa Rückschläge. "Im Mittelalter, um 1200–1300, galten sie als Hexentiere", berichtet Grimm. Papst Gregor IX. initiierte Massentötungen; bis 1700 waren sie in Teilen ausgerottet.
Von Outdoor-Jägern zu indoorigen Familienmitgliedern
"Erst im 18./19. Jahrhundert kamen Katzen wieder in Mode", sagt Grimm. Der Wandel zur reinen Wohnungskatze ist jung: Katzenstreu gab's erst 1940.
Rechtlich wurden Katzen erst kürzlich geschützt – von "wertlos" zu Eigentum mit Tierschutzgesetzen, inklusive Evakuierungen nach Hurrikan Katrina.
"Der Indoor-Trend machte sie zu Familienmitgliedern", fasst Grimm zusammen.
Warum Katzenhistorie wichtig ist
Die Erforschung hilft bei der Katzen-Gesundheit: Labore wie Lyons' sequenzieren Genome, um Krankheiten zu bekämpfen. "Katzen-Genetik nutzen wir auch translational für Humanmedizin", erklärt sie. Die "99 Lives Cat Genome Sequencing Initiative" lädt Besitzer ein, DNA einzusenden.
DNA-Tests offenbaren Rassenanteile Ihrer Katze.
Die Geschichte lehrt: Katzen sind anpassungsfähig. "In 10.000 Jahren wurden sie liebevoll – doch ein wilder Kern bleibt", mahnt Grimm respektvoll.