Hunde bellen „wuff“, Katzen mauzen „miau“ und Schlangen zischen „sss“. Beim Menschen entsteht dieses Geräusch, indem die Zunge gegen die Vorderzähne gesetzt wird. Schlangen besitzen jedoch keine Vorderzähne – wie erzeugen sie dieses markante Zischen, oft sogar während sie die Zunge herausstrecken?
Schlangen erzeugen das Zischen tiefer im Atmungssystem, in einer Struktur namens Glottis. Diese winzige Öffnung befindet sich am unteren Ende des Schlangenmauls und öffnet sich beim Atmen.
Die Glottis verbindet sich mit der Trachea, der Luftröhre, die wiederum zur Lunge führt. Schlangen haben nur eine funktionierende Lunge; die andere ist ein evolutionäres Relikt, ein Rückstand eines ehemals funktionalen Organs. Die arbeitende Lunge gliedert sich in zwei Teile.
„Dabei gibt es die vaskuläre Lunge; das ist wie unsere Lunge, sie nimmt Sauerstoff auf und so weiter“, erklärt David Penning, Assistenzprofessor für Biologie an der Missouri Southern State University, in einem Interview mit Live Science. „Es ist wie ein leerer Ballon, der nur Luft enthält.“
„Beim Zischen dehnen Schlangen die Rippen aus, atmen tief ein und stoßen die Luft dann über eine lange Zeit aus“, beschreibt Penning den Prozess.
Das Zischen entsteht durch die rasch strömende Luft, die durch die enge Glottis gedrückt wird.
„Es ist schlichtweg Luft, die durch eine kleine Öffnung strömt“, betont Penning. „Die Lautstärke kann variiert werden, indem die Rippen fester zusammengepresst werden und mehr Luft herausgedrückt wird. Es handelt sich um das typische Geräusch von Luft in einem engen Rohr.“
Die Zunge spielt dabei keine Rolle. „Das sind zwei unabhängige Prozesse“, verdeutlicht Penning.
„Mit der herausgestreckten Zunge fangen sie flüchtige organische Verbindungen aus der Luft ein“, erklärt er – Chemikalien, die oft geruchlich wahrnehmbar sind. „Die Gabelspitze ermöglicht eine Richtungsbestimmung: Riecht es stärker nach Kojote links als rechts, wissen sie, woher der Duft kommt.“
„Der Zungenschlag dient der Informationssammlung“, fügt Penning hinzu. „Das Zischen hingegen wirkt abschreckend oder einschüchternd.“
Im Unterschied zu vielen Tieren produzieren Schlangen nur diesen einen Laut zur Verteidigung. Er variiert nicht je nach Situation und ähnelt weißem Rauschen, so Penning.
Artenspezifische Variationen existieren jedoch. Die Königskobra (Ophiophagus hannah) kann zum Beispiel „knurren“.
„In ihrer Luftröhre sitzen extra Luftsäcke, aus denen Luft langsam entweicht“, beschreibt Penning. „Das ergibt einen gutturalen, tiefen Brummton – vibrierender als klassisches Zischen.“
„Die nordamerikanische Bullennatter [Pituophis catenifer sayi] zischt mit Graten im Ösophagus, was ein rasselndes Geräusch erzeugt, als würde etwas darin rumort.“
Egal wie es klingt: Die Botschaft lautet „Bleibt weg“. Diese Warnung zu beherzigen schützt Mensch und Schlange gleichermaßen.
„Ein zischende Schlange ist ein Tier in Bedrängnis“, rät Penning. „Der beste Rat: Zurückweichen und es in Ruhe lassen.“