DeuAq.com >> Leben >  >> Tiere & Insekten

Neue Fossilien enthüllen Paarungsverhalten der Trilobiten: Harvard-Forscher entschlüsseln Geheimnisse von Olenoides serratus

Neue Fossilien enthüllen Paarungsverhalten der Trilobiten: Harvard-Forscher entschlüsseln Geheimnisse von Olenoides serratus

Trilobiten wirken auf den ersten Blick alles andere als romantisch – doch eine neue Studie zeigt, dass mindestens eine Art dieser ausgestorbenen Arthropoden, die wie schwimmende Riesen-Käfer mit markanten Helmen aussahen, während der Paarungszeit zärtlich umarmte.

Der Paläontologe Sarah Losso, Doktorandin für Organismen- und Evolutionsbiologie an der Harvard University, stieß bei der Untersuchung eines außergewöhnlichen Fossils von Olenoides serratus auf bahnbrechende Hinweise. Diese Trilobitenart lebte vor etwa 508 Millionen Jahren im Kambrium. Das Exemplar aus dem Royal Ontario Museum zeigt ein Paar kurzer Anhänge am Unterbauch des Mittelsegments, die als Klammern dienten. Vermutlich positionierte sich ein Weibchen stationär auf dem Meeresboden, während das Männchen von oben aufstieg und diese Klammern nutzte, um festzuhalten – die ideale Position für die Befruchtung.

„Es ist entscheidend, das Weibchen sicher zu fixieren, damit das Männchen optimal positioniert ist, wenn die Eier freigesetzt werden“, erklärt Losso. „Das steigert die Erfolgschancen der Befruchtung erheblich und macht die Paarung effizienter.“

Trilobiten gab es in über 20.000 Arten, die die Erde rund 270 Millionen Jahre besiedelten, bis sie vor etwa 252 Millionen Jahren im Perm ausstarben. O. serratus ist seit über einem Jahrhundert bekannt, dank Funden im berühmten Burgess Shale in den kanadischen Rocky Mountains – einem Mekka für kambrische Fossilien.

Neue Fossilien enthüllen Paarungsverhalten der Trilobiten: Harvard-Forscher entschlüsseln Geheimnisse von Olenoides serratus

Frühere Analysen konzentrierten sich auf Exemplare aus den 1900er-Jahren; neuere Funde wurden oft übersehen. Losso widmete sich einem umfassenden Projekt und entdeckte im Royal Ontario Museum dieses besondere Fossil.

„Ich habe jedes Exemplar geprüft und dachte: ‚Das ist ungewöhnlich – diese Anhänge sehen gar nicht so aus, wie sie sollten‘“, berichtet sie.

Trilobiten-Fossilien erhalten selten die weichen Beine; meist versteinert nur die harte Exoskelett-Hülle. Von 20.000 Arten zeigen nur 38 erhaltene Anhänge – ein rares Highlight dieses Fossils sind die kurzen Mittelsegment-Gliedmaßen.

„Schon allein die erhaltenen Anhänge machen diesen Trilobiten faszinierend“, betont Losso. Sie sind schmaler, kürzer und stachellos im Vergleich zu den anderen Beinen, die zur Nahrungszerkleinerung dienten.

Neue Fossilien enthüllen Paarungsverhalten der Trilobiten: Harvard-Forscher entschlüsseln Geheimnisse von Olenoides serratus

Zusammen mit ihrem Kollegen Javier Ortega-Hernández, Assistenzprofessor an der Harvard University, verglichen die Forscher die Anhänge mit modernen Arthropoden wie Insekten, Spinnen und Krabben. Ergebnis: Es handelt sich um Klammern. Beim Paaren positioniert sich das Männchen rückwärts auf dem Weibchen, greift mit den Klammern in die Schwanzstacheln – eine stabile Halteposition.

Ein anderes Exemplar ohne Klammern gilt als Weibchen, was auf sexuellen Dimorphismus hindeutet. Diese Strategie erinnert an Pfeilschwanzkrebse (Limulus polyphemus), entfernte Trilobiten-Verwandte, bei denen Männchen um Weibchen kämpfen – oft mit Verletzungen.

„Bei O. serratus könnte es ähnlich wettbewerbsintensiv zugegangen sein“, spekuliert Losso, mahnt aber zur Vorsicht: Trilobiten waren vielfältig in Habitaten und Formen.

„Das ist der erste Beleg für stark spezialisierte Anhänge bei Trilobiten – ein Hinweis auf komplexes Paarungsverhalten schon im mittleren Kambrium“, sagt sie.

Greg Edgecombe vom Natural History Museum London bestätigt per E-Mail: „Die Studie liefert überzeugende Evidenz für biologische Variation statt Verletzungsregeneration. Die Form passt perfekt zu Klammern für die Paarung.“ Frühere Hinweise auf Gruppenhäutungen unterstützen dies nun detailliert.

Die Studie erschien online am 6. Mai in der Zeitschrift Geology.