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Katzen-Grimasse entschlüsselt: Was ist die Flehmen-Reaktion?

Als Katzenbesitzer kennen Sie sicher die vielen rätselhaften Verhaltensweisen Ihrer Fellnasen. Ein besonders verwirrender Gesichtsausdruck – wie eine Grimasse oder ein spöttisches Grinsen – lässt viele Tierhalter an die Gesundheit ihrer Katze zweifeln.

Keine Sorge: Dieser Ausdruck ist in der Regel völlig normal. Die sogenannte Flehmen-Reaktion zeigt sich bei vielen Tieren wie Katzen, Ziegen, Tigern und Pferden.

„Mehrmals wöchentlich erhalte ich Anrufe oder Fragen zu „dieser seltsamen Sache, die meine Katze macht““, erklärt Dr. Mark Waldrop, Tierarzt mit langjähriger Praxis. „Die Beschreibungen lauten: Die Katze wirkt hämisch, atmet mit offenem Mund und starrt konzentriert auf eine Stelle. Das ist die harmlose Flehmen-Reaktion.“

Warum zeigen Katzen die Flehmen-Reaktion?

Pam Johnson-Bennett, zertifizierte Katzenverhaltensspezialistin und Bestsellerautorin, beobachtet dieses Verhalten häufig. „Katzen tragen oft Gerüche anderer Katzen mit sich herum“, sagt sie.

„Bei der Flehmen-Reaktion analysiert die Katze einen intensiven Duft. Sie dient vor allem der Untersuchung von Pheromonen in Urin, wird aber auch bei anderen faszinierenden Gerüchen eingesetzt.“

Dr. Waldrop sieht die Reaktion täglich, z. B. wenn ein Tier seine Analdrüsen entleert. „Analdrüsensekrete sind pheromonreich. Die Flehmen-Reaktion hilft, den Ursprung zu identifizieren“, erklärt er. „Sie tritt auch auf, wenn Katzen gespritzten Urin oder schmutzige Wäsche wie Socken riechen. Besonders bei neuen Umgebungen mit Tiergerüchen.“

„Bei mir zu Hause untersuchen meine Katzen täglich die Gerüche, die ich von der Arbeit mitbringe“, fügt Waldrop hinzu.

Anzeichen der Flehmen-Reaktion bei Katzen

Der typische „höhnische“ oder „grimassierende“ Ausdruck ist ein klares Kennzeichen.

„Die Oberlippe kräuselt sich, bei manchen Katzen bleibt das Maul weit offen – fast wie Hecheln“, beschreibt Johnson-Bennett.

Physiologisch spielt die Zunge eine Schlüsselrolle: „Der Geruch gelangt in den Mund, die Zunge transportiert ihn zum Vomeronasal-Organ (Jacobson-Organ). So entsteht eine Mischung aus Riechen und Schmecken für detaillierte Analyse. Die Grimasse maximiert die Duftaufnahme.“

Katzen besitzen weit mehr Geruchsrezeptoren als Menschen – ein Grund für dieses Spezialorgan. Beide Geschlechter haben es, doch unkastrierte Männchen nutzen es stärker zur Urinanalyse auf sexuelle Verfügbarkeit. Jede Katze reagiert jedoch auf interessante Düfte, z. B. von Schuhen oder Kleidung.

„Auch kastrierte Katzen zeigen es bei spannenden Gerüchen“, betont Johnson-Bennett.