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Erste Hilfe bei Beinwunden beim Pferd: So versorgen Sie Ihr Tier richtig, wenn kein Tierarzt verfügbar ist

Dr. Mark ist Tierarzt mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Kleintieren, Exoten, Pferden und Nutztieren.

Erste Hilfe bei Beinwunden beim Pferd: So versorgen Sie Ihr Tier richtig, wenn kein Tierarzt verfügbar ist

Hausmittel für verwundete Pferdebeine

In meiner Praxis als Tierarzt habe ich zu oft erlebt, wie Pferde aufgrund unbehandelter Verletzungen auf Trails oder im Gelände verloren gingen. Viele Unfälle passieren durch unebenes Terrain, Arbeit oder puren Zufall. Wenn kein Tierarzt erreichbar ist, können Sie mit grundlegender Erste Hilfe viel bewirken und das Leben Ihres Pferdes retten.

Erste Schritte bei einer Beinverletzung Ihres Pferdes

Bevor Sie die Wunde berühren, prüfen Sie den Zustand Ihres Pferdes. Heben Sie die Unterlippe an und kontrollieren Sie die Schleimhäute – sie sollten rosa sein. Diesen Check wiederholen Sie regelmäßig, um Anämie früh zu erkennen.

Bei Schockzeichen ist Ihr Pferd oft hypovolämisch (Flüssigkeitsverlust im Kreislauf). Es braucht dringend Volumenersatz, um zu überleben. Handeln Sie so:

  • Stoppen Sie die Blutung, um weiteren Flüssigkeitsverlust zu verhindern.
  • Sprechen Sie ruhig und sanft mit dem Pferd, um es zu beruhigen.
  • Decken Sie es zu, damit es Wärme nicht durch Schock verliert.
  • Bei schweren Verletzungen wie Knochenbrüchen entlasten Sie das Bein, indem Sie das Pferd vorsichtig bewegen.

Wenn kein Schock vorliegt, identifizieren Sie die Wundart. Bei Schnitten am Hals, Körper oder Beinen sofort handeln. Bei lebensbedrohlichen Schäden wie Durchtrennungen oder Eingeweideverletzungen Antibiotika geben, aber ohne OP sind Grenzen gesetzt.

Hilfe organisieren bei der Behandlung eines verletzten Pferdes

Die meisten Wunden erfordern Unterstützung. Ohne Sedierung durch einen Tierarzt lassen Sie mindestens den Kopf halten. Alternativ: Leichtes Zucken oder Ablenkung durch Klopfen auf die Stirnmitte – Pferde konzentrieren sich dann oft darauf statt auf die Wunde.

Versuchen Sie nie allein zu arbeiten. Holen Sie vorher Hilfe, um Panik und weitere Verletzungen zu vermeiden.

Blutung stoppen und Wunde reinigen beim Pferd

Starke Blutungen können tödlich sein – schnelles Handeln rettet Leben.

Blutung stoppen

  • Bei sickernem Blut: Rohhonig auf einen Verband träufeln, fest aufdrücken. Honig fördert Gerinnung und wirkt antibakteriell.
  • Bei pulsierender Blutung: Ernstfall! Mit Gefäßklemmen den Bluter abklemmen. Ohne Klammern Spitzzange nutzen und so lange wie möglich belassen.

Ohne Ausrüstung aus dem Erste-Hilfe-Set kein Pferd verbluten lassen. Schwäche kann zu Sekundärinfektionen führen.

Wunde reinigen

  • Nach Blutstillung mit reichlich Wasser spülen, ideal mit Schlauch (ohne hohen Druck – Düse entfernen).
  • Sterile Kochsalzlösung ist optimal, Leitungswasser akzeptabel in größerer Menge.
  • Spülen, bis sauber, dann 5 Minuten nachspülen.
  • Tetanusimpfung erneuern, wenn länger als 6 Monate her. Nicht im Set, aber priorisieren.

Wunde desinfizieren

Desinfektion vor dem Verbinden: Povidon-Jod (Betaisodona) in Sprühflasche ideal für sanfte Anwendung.

In Screwworm-Gebieten (falls zutreffend): Spezifika aus dem Futtermittelhandel gegen Maden bereithalten – sie fressen lebendes Fleisch.

Empfohlene Antibiotika für Pferdewunden

Als Tierarzt empfehle ich Antibiotika sparsam, da Verfügbarkeit regional variiert und Rezepte oft nötig sind. Erkundigen Sie sich lokal in Futtermittelläden oder Apotheken.

  • Penicillin: Procain-Penicillin (10.000–20.000 E/kg täglich i.m.). Trocken lagerbar, brennt bei Injektion – Pferd fixieren.
  • Penicillin/Dihydrostreptomycin/Piroxicam: Merck-Produkt, langlebig, mit NSAID gegen Entzündung.
  • Tetracyclin: 10–20 mg/kg bei Penicillinmangel.
  • Oxytetracyclin: 4 mg/kg gegen resistente Bakterien.

Bei offenen Wunden prophylaktisch geben – Kosten niedrig, Nutzen hoch.

Material zum Verbinden

Offene Wunden offenlassen, aber schützen. Schmutz vermeiden essenziell.

  • Nacken/Körper: Quadratpad fixieren mit Klebeband an vier Seiten.
  • Beine: Leichte Verbände priorisieren; schwere nicht immer machbar. In Madenrisikogebieten täglich wechseln.

Beinwunde richtig verbinden

  1. Starten oberhalb der Wunde (mind. Breite der Gaze).
  2. Abwärts rollen, Hälfte überlappend.
  3. Über Wunde: Feuchtpad (Schaumstoff/Calciumalginat).
  4. Baumwolle aufrollen, teilen und binden (nicht zu eng; Windel als Alternative).
  5. Elastiband (Vetrap) von unten starten.
  6. Klebeband: Abwechselnd auf Bandage und Fell.
  7. Bei Lösen: Nachbinden.
  8. Fliegenspray außen auftragen.
Erste Hilfe bei Beinwunden beim Pferd: So versorgen Sie Ihr Tier richtig, wenn kein Tierarzt verfügbar ist

Dieses Bild zeigt die Herausforderung – aber Übung macht's.

Proud Flesh verhindern

Proud Flesh (übermäßiges Granulationsgewebe) behindert Heilung; oft operativ zu entfernen. Prävention ist Schlüssel.

  • Sauber und feucht halten: Sofort reinigen/desinfizieren.
  • Kokosöl täglich (Vitamin E wirkt heilungsfördernd; sprühen bei Kälte erwärmen, Schmelzpunkt 24 °C).

Anfällige Pferde brauchen tierärztliche Entfernung.

Nachsorge für das verletzte Pferd

Heilung dauert Wochen bis Monate. Täglich wechseln: Jod, Kokosöl, Fliegenspray.

Tierarzt als Priorität

Pferde sind kostspielig – professionelle Hilfe lohnt immer. Rufen Sie bei Möglichkeit sofort an.

Referenzen

  • Equine Sports Medicine and Surgery, 2. Auflage, Kenneth W. Hinchcliff und Andris Kaneps, 2014, Saunders
  • Equine Wound Management, 2. Auflage, Ted Stashak DVM, 2008, Wiley-Blackwell
  • The Merck Veterinary Manual, Fifth Edition, Otto Siegmund, Herausgeber, Merck & Co. Inc.
  • The Complete Equine Veterinary Manual, Tony Pavord, MRCVS, David & Charles.
  • Ibrahim, N. '., Wong, S. K., Mohamed, I. N., Mohamed, N., Chin, K. Y., Ima-Nirwana, S., & Shuid, A. N. (2018). Wundheilungseigenschaften ausgewählter Naturprodukte. Internationale Zeitschrift für Umweltforschung und öffentliche Gesundheit, 15(11), 2360. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6266783/

Dieser Artikel basiert auf der Expertise des Autors und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Stresssymptomen sofort zum Tierarzt.