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Warum Papageien so lange leben: Intelligenz als Schlüssel zur Langlebigkeit

Warum Papageien so lange leben: Intelligenz als Schlüssel zur Langlebigkeit

Papageien sind für ihre außergewöhnliche Langlebigkeit bekannt – viele erreichen ein Alter von 70 oder sogar 80 Jahren. Bei Tieren korreliert Langlebigkeit oft mit der Körpergröße, doch Papageien übertreffen größere Vögel und leben deutlich länger als vergleichbar große Artgenossen.

Warum sind Papageien so langlebig? Bekannt für ihre Nachahmungsfähigkeiten und farbenprächtigen Federn, könnte ein weiteres Markenzeichen der Schlüssel sein: ihre beeindruckende Intelligenz. Eine Studie aus März 2022 in der renommierten Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences liefert hierzu klare Hinweise.

Vögel leben im Allgemeinen länger als Säugetiere gleicher Größe. "Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie fliegen und Raubtieren entkommen können, im Gegensatz zu erdgebundenen Säugetieren", erklärt Simeon Smeele, Evolutionsökologe am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. "Schwefelhaubenkakadus können extrem 70 bis 80 Jahre alt werden, wiegen aber nur 700 bis 1.000 Gramm – Menschen sind 100-mal schwerer und leben nur etwas länger."

Warum Papageien so lange leben: Intelligenz als Schlüssel zur Langlebigkeit

Papageien sind jedoch selbst unter Vögeln Rekordhalter. Das Amerikanische Rotkehlchen (Turdus migratorius), weit verbreitet in Nordamerika, erreicht im Schnitt nur zwei Jahre. Das kleinere Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis) lebt dagegen durchschnittlich acht Jahre, wie Smeele betont.

Die langlebigsten Papageienarten erreichen 20 bis 30 Jahre. "Andere Vögel schaffen das ebenfalls, sind aber viel größer", sagt Smeele. "Ein Flamingo wiegt viermal so viel wie der langlebigste Papagei, hat aber eine ähnliche Lebensspanne." (Hinweis: Durchschnittswerte beziehen sich nicht auf die Maximallebensdauer. Überleben sie das erste Jahr, können Rotkehlchen, Flamingos und Papageien deutlich länger leben.)

Vorherige Forschungen deuteten auf einen Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Langlebigkeit hin – größere Gehirne helfen bei Nahrungssuche oder Gefahrenabwehr. Papageien weisen primatenähnliche Gehirn-Körper-Verhältnisse auf und sind für komplexes Verhalten bekannt, doch fehlten bislang umfassende Daten.

Im Rahmen der Studie kooperierten die Wissenschaftler mit der Non-Profit-Organisation Species360 und analysierten Daten von über 130.000 Papageien aus mehr als 1.000 Zoos weltweit. So entstanden erste zuverlässige Schätzungen zur Lebenserwartung von 217 Arten – mehr als der Hälfte aller bekannten Papageienarten.

Die Ergebnisse zeigen eine Bandbreite von zwei Jahren beim Feigenpapagei (Cyclopsitta und Psittaculirostris) bis 30 Jahren beim Hellroten Ara (Ara macao). Weitere Langlebige: der Gelbhaubenkakadu (Cacatua galerita) mit 25 Jahren im Schnitt.

Überall korrelierte ein relativ großes Gehirn mit höherer Lebenserwartung. Klügere Papageien meistern Wildnis-Herausforderungen besser und leben länger, wie das Team feststellte. "Größere Gehirne helfen wirklich, länger zu leben", bestätigt Smeele.

Die Forscher prüften Alternativen: Benötigen große Gehirne längere Entwicklungszeiten und elterliche Investition? Nein, hier fand sich kein Zusammenhang. "Ich hätte mehr Einfluss der elterlichen Fürsorge erwartet", meint Smeele. Bei Primaten hängt Langlebigkeit hingegen mit Gehirn-Entwicklungskosten zusammen.

Zukünftig soll geklärt werden, ob soziale Papageien größere Gehirne und längeres Leben haben. "Komplexe Gruppen erfordern Lernfähigkeiten wie Nahrungssuche oder Dominanz – das braucht Zeit und Gehirnvolumen", erklärt Smeele.

Smeele warnt: "Es wäre verlockend, klügere Menschen wären langlebiger – doch größere Gehirne verbrauchen mehr Energie und könnten schaden, wie bei Guppys beobachtet, wo Größere kürzer lebten."