Was sind die seltsamsten Tiere, die je im Meer entdeckt wurden? Als Meeresbiologen wissen wir: Die Vielfalt ist atemberaubend.
Selbst vertraute Meeresbewohner wie Flundern mit ihren flachen Körpern und beiden Augen oben oder Austern, die vorwiegend aus Schleim zu bestehen scheinen, wirken skurril. Und Quallen mit ihren tentakelartigen Barteln?
Doch es wird farbenfroher: In Korallenriffen, Tiefseequellen, mittelozeanischen Rücken und den kalten Abgründen haben Tiere extreme Anpassungen entwickelt. Diese Kreaturen überleben ohne Licht, bei minimalem Sauerstoff und enormem Druck – fremdartiger als Außerirdische.
Wir haben Meeresbiologen befragt, um die Seltsamsten zu ermitteln.
Kreaturen der Korallenriffe
Korallenriffe beherbergen Tausende Arten. Korallen selbst sind faszinierend: Polypen, Verwandte der Quallen, bauen Kalziumkarbonat-Skelette in Form von Gehirnen, Fächern oder Pflanzen. Die meisten leben symbiotisch mit Algen (Zooxanthellen), die durch Photosynthese Energie liefern – im Tausch gegen Schutz und CO₂.
Im Riff leben weitere Wunder: Der Rosenschleier-Lippfisch (Cirrhilabrus finifenmaa) thront in "Twilight-Reefs". Sein Körper prangt in Pink, Orange, Lila und Blau – wie aus der Fantasie eines Kindes. Eine Studie in Proceedings of the Royal Society B (2020) erklärt: Klares Wasser und Korallenverstecke erlauben knallige Farben zur Partnerwahl, ohne hohes Raubtier-Risiko.
Der Kugelkopf-Papageienfisch (Chlorurus sordidus) besitzt laut Smithsonian National Museum of Natural History die stärksten Zähne der Erde, um Korallen zu zerbeißen. Nachts webt er Schleimkokons gegen Parasiten.
Sacoglossa, die "solarbetriebenen Meeresschnecken", saugen Algenchloroplasten und nutzen Photosynthese. Jeanette Davis, Meeresmikrobiologin und Autorin von "Jada's Journey Under the Sea" (Mynd Matters Publishing, 2022), erklärt: "Sacoglossa" bedeutet "Saftsauger". Sie wissenschaftskommunikatorin entdeckte mit ihrem Team Antikrebsstoffe aus solchen Algen.
Schweben in der Tiefe
Offene Ozeane bergen bizarre Leben, besonders in der Dunkelheit. Siphonophore sind Kolonien spezialisierter Klone – kein Einzelorganismus. Australische Forscher sichteten welche bis 45 Meter lang. Steven Haddock (Monterey Bay Aquarium Research Institute) favorisiert Erenna sirena mit roten Leuchtködern.
Das Blutbauch-Kammgelee (Lampocteis), ein roter Ctenophor, fängt Beute mit Klebzellen und Zilien, die im Licht funkeln.
Der Erdbeer-Tintenfisch (Histioteuthis heteropsis) hat ein großes grünes Auge oben für Schatten und ein kleines unten für Biolumineszenz. Der Große Flossentintenfisch (Magnapinna) übertrifft mit körperlanger Dollarnote und menschenlangen Tentakeln – nur 20 Sichtungen seit 100 Jahren.
Leben am Grund
Am Meeresboden widerstehen Tiere Druck ohne Licht. Der Klecksfisch entleert sich unter Druckminderung.
Javier Sellanes López (Katholische Universität des Nordens, Chile) entdeckte Eunice decolorhami, Würmer mit muppetartigen Gesichtern in 180–340 m Tiefe, und die teuflische Krabbe Ebalia sculpta mit "höllischem" Cephalothorax.
Xenophyophoren, einzellige Riesen von Lisa Levin (Scripps Institution), bauen Test-Häuser als Schutz für Wirbellose. Knochenfressende Würmer (Osedax, Gregory Rouse) säuern Knochen ohne Mund – Männchen winzig, nur zur Befruchtung.
Das seltsamste? Vielleicht die teuflische Krabbe, solar-Schnecke oder Knochenbohrer. Der Ozean hält immer Seltsameres bereit.