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Dingos: Genetisch zwischen Wolf und Haushund – Neue Genom-Studie klärt Evolution auf

Dingos: Genetisch zwischen Wolf und Haushund – Neue Genom-Studie klärt Evolution auf

Dingos gelten als Australiens größtes Landraubtier, doch ihre Evolutionsgeschichte war lange ein Rätsel. Eine aktuelle Studie zeigt nun: Genetisch liegen sie zwischen Wolf und modernem Haushund.

Laut einer Erklärung der La Trobe University in Melbourne sequenzierten Forscher das Genom eines "reinen" Dingo-Welpen, der lebend am Straßenrand in der zentralaustralischen Wüste gefunden wurde. Im Vergleich zur DNA von Haushunden (Canis lupus familiaris) und Wölfen (Canis lupus) positionieren sich Dingos als "Vermittler" zwischen beiden, wie die Wissenschaftler kürzlich berichteten.

"Das gibt uns einen klareren Einblick in die Entwicklung der Dingos – faszinierend aus wissenschaftlicher Sicht und ein neuer Ansatz, um ihre Gesundheit zu überwachen und das langfristige Überleben zu sichern", erklärt Co-Autor Bill Ballard, Professor für evolutionäre Genomik an der La Trobe University, in der Erklärung.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen die Vorfahren der Dingos vor 5.000 bis 8.500 Jahren nach Australien brachten. Unklar blieb jedoch ihr Stand im Domestikationsprozess bei der Ankunft. Moderne Hunderassen erreichten Australien erst 1788, sodass Dingos Tausende Jahre isoliert lebten.

Als Spitzenprädatoren stehen Dingos seit dem Verschwinden des Tasmanischen Tigers (Thylacinus cynocephalus) vor mindestens 2.000 Jahren vom australischen Festland an der Spitze der Nahrungskette (International Union for Conservation of Nature: Auf Tasmanien überlebten sie bis 1936). Laut dem Australian Museum könnten Dingos durch Nahrungskonkurrenz zum Aussterben beigetragen haben.

Nach ihrer Ankunft passten sich Dingo-Vorfahren an eine Ernährung mit Beuteltieren wie Kängurus und Reptilien an. Im Gegensatz zu den meisten Haushunderassen besitzen Dingos – ähnlich wie Wölfe – nur eine Kopie des stärkespaltenden Gens AMY2B. Das schränkt ihre Stärkeverdauung ein und deutet auf eine proteinreiche Ernährung hin. Haushunde hingegen haben mehrere Kopien und vertragen stärkehaltige Nahrung besser, wie sie beim Menschen üblich ist.

Heute hybridisieren Dingos mit verwilderten Haushunden, was ihren Status kompliziert. Eine Studie von 2015 in Molecular Ecology belegt weit verbreitete Vermischung, die das Überleben der Dingos gefährdet und ihr Ökosystem-Rolle stört.

Die Studie erschien am 22. April in Science Advances.