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Männliche Kugelspinnen entkommen sexuellem Kannibalismus mit integrierten Beinschleudern

Männliche Kugelspinnen entkommen sexuellem Kannibalismus mit integrierten Beinschleudern

Bei der Art Philoponella prominens endet die Paarung spektakulär: Das Männchen katapultiert sich mit unglaublicher Geschwindigkeit vom Weibchen weg – zu schnell für das bloße Auge.

Diese akrobatische Flucht dient nicht der Beeindruckung, sondern dem Überleben. Sexuelle Kannibalismus ist bei diesen Spinnen üblich: Männchen riskieren, von hungrigen Weibchen gefressen zu werden.

Eine bahnbrechende Studie offenbart einen einzigartigen Mechanismus in ihren Vorderbeinen: Sie speichern kinetische Energie in einem Gelenk und setzen sie in Sekundenbruchteilen frei, um Dutzende Zentimeter hochzuschleudern.

Vor der Paarung sichern sich Männchen mit einer seidenen "Sicherheitsleine" am Netz des Weibchens ab, um nach dem Sprung zurückzukehren. Manche paaren sich bis zu fünfmal mit demselben Partner – jedes Mal mit Todesrisiko. Dieser Post-Sex-Katapult hat sich als Überlebensstrategie etabliert, wie Forscher berichten.

Philoponella prominens sind winzig: Männchen messen ca. 3 mm, Weibchen doppelt so viel. Sie leben in Kolonien mit über 200 Individuen in riesigen Netzwerken. 2019 beobachteten Wissenschaftler in Wuhan, China, wie Männchen blitzschnell entkamen – zu rasch für Standardkameras, so Shichang Zhang, Hauptautor und außerordentlicher Professor an der School of Life Sciences der Hubei University.

Die Aufnahmen waren eine Herausforderung: Bei nur 30 Sekunden Paarungsdauer und mikroskopisch kleinen Tieren war Fokussieren der Hochgeschwindigkeitskamera (1.500 Bilder/Sekunde) extrem schwierig. "Das war der härteste Teil", sagt Zhang.

Die Forscher sammelten 600 Spinnen und führten 155 Paarungen durch. 97 % der Männchen katapultierten sich nach der ersten Kopulation und überlebten. Ohne Sprung wurden sie gefressen. Bei 30 manipulierten Männchen (Katapultmechanismus gestört) ereilte sie dasselbe Schicksal.

Männliche Kugelspinnen entkommen sexuellem Kannibalismus mit integrierten Beinschleudern

Die Fluchtgeschwindigkeit betrug bis zu 88 cm/s – vergleichbar mit einem Menschen, der 530 Meter in einer Sekunde springt, erklärt Zhang.

"Die Beine falten sich gegen das Weibchen, hydraulischer Druck baut sich auf und lässt sie explosionsartig ausdehnen", beschreiben die Wissenschaftler den Mechanismus.

Ähnliche hydraulische Energiespeicher finden sich bei Mantisgarneelen (Knockout-Schlag) oder Trap-Jaw-Ameisen, doch nur hier dient es der Flucht vor sexuellem Kannibalismus – für weitere Paarungen.

Stärkere Männchen katapultieren mehrmals und steigern so ihre Fortpflanzungschancen, schlussfolgern die Autoren.

Die Studie erschien am 25. April in Current Biology.