DeuAq.com >> Leben >  >> Tiere & Insekten

Mythologische Kreaturen: Gibt es unentdeckte Bestien, die der Wissenschaft entkommen sind?

Mythologische Kreaturen: Gibt es unentdeckte Bestien, die der Wissenschaft entkommen sind?

Von modernen Wanderern, die große Affen in dichten Wäldern beobachten, bis zu mittelalterlichen Seefahrern, die bedrohliche Leviathane unter ihren Schiffen lauern sehen: Fantastische Geschichten von unbekannten Bestien faszinieren uns seit Generationen.

Diese rätselhaften Wesen gelten oft als reine Mythen. Doch gibt es mythologische Kreaturen, die bis heute nicht enttarnt wurden? Die knappe Antwort: Ja, zumindest theoretisch.

Wir betrachten hier das reale Potenzial unentdeckter Kreaturen aus Legenden. Dazu zählen Kryptiden – angeblich existierende Wesen –, die der Wissenschaft bekannt, aber für ausgestorben erklärt wurden, wie der Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus).

Das Entlarven solcher Mythen ist komplex. Laut Merriam-Webster bedeutet "debunking", eine Falschheit aufzudecken. Mythische Kreaturen sind jedoch keine Täuschung, nur weil sie nicht exakt so existieren, wie beschrieben. Es ist nahezu unmöglich, mit 100-prozentiger Sicherheit zu beweisen, dass eine Art nicht existiert – wir können nicht überall suchen.

Viele Mythen binden Kreaturen an spezifische Orte. Das Monster von Loch Ness etwa soll im schottischen Loch Ness leben. Hier nutzen Wissenschaftler ihr Wissen über den See für fundierte Einschätzungen.

Loch Ness ist ein oligotropher, nährstoffarmer See, der wahrscheinlich keine große unbekannte Raubtierart an der Nahrungskettenspitze trägt, erklärt Charles Paxton, statistischer Ökologe und Aquatenexperte an der University of St Andrews in Schottland, gegenüber WordsSideKick.com. „Falls ein Nessie existiert, dann nur in sehr geringer Zahl“, betont er.

Bei seiner Forschung zu Nessie und ähnlichen Legenden analysiert Paxton vorhandene Beweise, statt selbst zu jagen. Basierend darauf hält er Nessie für unwahrscheinlich.

„Als Wissenschaftler frage ich: Was erklärt die falsch interpretierten Sichtungen?“, sagt Paxton. „Es könnte menschliche Psychologie, Fehlwahrnehmungen bekannter Arten oder eine unbekannte Spezies sein.“

Mythologische Kreaturen: Gibt es unentdeckte Bestien, die der Wissenschaft entkommen sind?

Die Wissenschaft hat bei Weitem nicht alle Erdarten katalogisiert. Eine Studie aus 2013 in Science schätzt 1,5 Millionen entdeckte von rund 5 Millionen lebenden Arten – etwa 3 Millionen fehlen noch. Konservativ geschätzt: Eine 2011er PLOS Biology-Studie prognostiziert 8,7 Millionen Arten, eine 2016er PNAS-Studie sogar über eine Billion Mikrobenarten.

Bei Wassertieren hält Paxton große unbekannte Oberflächentiere für ausgeschöpft, außer vielleicht seltene Schnabelwale, die über 3 Stunden tauchen können. Die meisten großen Wasserbewohner, die Mythen inspirieren könnten, sind bekannt.

Eine 2021er Studie in Nature Ecology & Evolution bewertet Landtiere. „Die Entdeckungschancen sind nicht gleich verteilt“, sagt Hauptautor Mario Moura, Ökologe an der Universidade Federal da Paraíba in Brasilien, gegenüber Live Science.

Große Tiere in bevölkerten Gebieten fallen eher auf als kleine in unzugänglichen Tropen-Regenwäldern. Reptilien bergen das höchste Potenzial für Neuentdeckungen weltweit.

Mythologische Kreaturen: Gibt es unentdeckte Bestien, die der Wissenschaft entkommen sind?

Drachen, die ikonischsten mythologischen Reptilien, spucken Feuer – eine Metapher für Höllendarstellungen. Physische Beweise fehlen; Fossilien wie Dinosaurier oder das Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis) aus dem Pleistozän (2,6 Mio. bis 11.700 Jahre) nährten Legenden, z. B. ein Schädel in Klagenfurt als "Drachenkopf".

Die Landkarte des Lebens-Website zeigt Mouras 2021-Studie interaktiv: Die USA sind weitgehend erforscht, doch Washington und Oregon heben sich für unentdeckte Säugetiere ab – Bigfoot-Territorium.

Bigfoot, ein riesiger affenähnlicher Hominide im Pazifischen Nordwesten, ist unwahrscheinlich; Moura sieht hier eher Nagetiere, Spitzmäuse oder Fledermäuse als Ursache.

Unentdeckte Primaten sind jedoch denkbar, wie der kürzlich gefundene Plecturocebus parecis, ein Titi-Affe aus Brasilien.

Hotspots: Brasilien, Indonesien, Madagaskar, Kolumbien – artenreich, aber unterforscht. „Die Aufgabe ist enorm, die Ressourcen begrenzt“, sagt Moura.

In Indonesien lockt der Orang Pendek, ein zweibeiniger Affe auf Sumatra. Sichtungen stammen von Einheimischen bis Forschern. Laut „The Field Guide to Bigfoot and Other Mystery Primates“ (2006) hat er die besten Chancen unter Kryptiden.

Sumatra beherbergt Orang-Utans, doch ihr Habitat überschneidet sich nicht mit Orang-Pendek-Gebieten. Serge Wich (Liverpool John Moores University) vermutet verdrängte Orang-Utans als Ursprung, trotz Kameraüberwachung.

Mythologische Kreaturen: Gibt es unentdeckte Bestien, die der Wissenschaft entkommen sind?

Naturfotograf Jeremy Holden sah Orang Pendek 1994 im Kerinci Seblat-Nationalpark: 1,5 m groß, gelblich behaart, zweibeinig. Kein Foto aus Angst.

1995–1998 leitete er ein FFI-Projekt mit Deborah Martyr: Fußspuren, keine Fotos. National Geographic (2005–2009): Erfolglos. Alex Schlegel: „Ebenso bizarr, falls es nur Geschichten sind.“

Holden entdeckte stattdessen neue Arten wie Nepenthes holdenii. Der Sumatra-Kuckuck (Carpococcyx viridis) entkam 90 Jahre der Entdeckung – ein Hinweis auf mögliche Verstecke.

Mythologische Kreaturen: Gibt es unentdeckte Bestien, die der Wissenschaft entkommen sind?

„Von 1995 bis 2015 brauchte ich 20 Jahre für meinen ersten Sumatra-Kuckuck-Foto“, sagt Holden. „Ich habe nur meine Geschichte – doch neue Entdeckungen passieren.“