Paläontologen haben kürzlich ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fossil eines uralten Tieres am Ostufer des Simcoe-Sees in Süd-Ontario, Kanada, entdeckt. Der Fund stammt aus einem Steinbruch, der so reich an Meeresfossilien ist, dass Wissenschaftler ihn 'Paleo Pompeji' nennen.
Die Art, Tomlinsonus dimitrii genannt, gehört zu den ausgestorbenen Marrellomorphen, einer Gruppe von Arthropoden, die vor etwa 450 Millionen Jahren im Ordovizium lebten. Das Forschungsteam berichtet in einer neuen Studie darüber. Im Gegensatz zu vielen anderen Fossilien hier, die mineralisierte Körperteile zeigen, hat dieses Exemplar einen vollständig weichen Körper – eine seltene und verblüffende Erhaltung.
'Wir hatten nicht erwartet, hier eine Weichkörperart zu finden', erklärt Joseph Moysiuk, Doktorand in Ökologie und Evolutionsbiologie an der University of Toronto und Forscher am Royal Ontario Museum (ROM). 'Fossilien denken wir meist mit harten Strukturen wie Dinosaurierknochen assoziiert. Weichgewebe-Erhaltung ist extrem selten und nur an wenigen Orten weltweit möglich', so Moysiuk gegenüber Live Science.
Das 6 Zentimeter lange Fossil – so groß wie ein Zeigefinger – zeigt einen verzierten Kopfschild mit zwei gebogenen Hörnern, bedeckt mit federähnlichen Stacheln. Der segmentierte Körper erinnert an Insekten oder Spinnen, mit mehreren Beinpaaren – darunter ein außergewöhnlich langes Paar.
'Unter dem Kopf sitzen diese extrem langen Gliedmaßen mit fußähnlichen Enden, die wahrscheinlich zum Stelzen über den Meeresboden dienten', beschreibt Moysiuk. 'Es scheint blind zu sein, ohne jegliche Augen.'
Der Fund entstand letzten Sommer bei einer Ausgrabung im Steinbruch der Tomlinson Group, geleitet von Co-Autor George Kampouris, einem erfahrenen paläontologischen Techniker. Die Art ehrt den Eigentümer. Zuvor waren Marrellomorphe hauptsächlich aus älteren Lagerstätten wie dem kambrischen Burgess Shale bekannt. Dieses Exemplar ähnelt Marrella splendens von dort.

Wie der Burgess Shale lag auch dieser Steinbruch einst in einem flachen tropischen Meer. Stürme begruben den Meeresboden rasch mit Sedimenten. 'Schnelle Bestattung durch Unterwasserschlammströme von Stürmen hat die Organismen konserviert – daher der Name 'Paleo Pompeji'', erklärt Moysiuk. 'Sie wurden genau dort eingefroren, wo sie lebten.'
Die Entdeckung schließt Lücken im Fossilrecord dieser Arthropoden, wie das Team in der Studie betont. Das Exemplar ist nun in der ROM-Sammlung und in der 'Dawn of Life'-Ausstellung in der Willner Madge Gallery zu sehen.
Die Ergebnisse erschienen am 24. März im Journal of Paleontology.