Von Maura McAndrew
Fotos von Hunden mit Unterbiss erfreuen sich in Internet-Diashows großer Beliebtheit und verleihen unseren Vierbeinern einen charmanten, manchmal 'hässlich-niedlichen' Look. Doch Zahnfehlstellungen können ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem darstellen.
Wir haben zwei anerkannte Veterinärzahnärzte des Cornell University College of Veterinary Medicine (CUCVM) befragt. Hier erfahren Sie als Hundebesitzer alles Wissenswerte über Malokklusion bei Hunden – von Symptomen und Ursachen bis hin zur notwendigen Behandlung.
Was ist eine Malokklusion bei Hunden?
Malokklusion bedeutet, dass die Zähne eines Hundes – sei es Milch- oder bleibende Zähne – nicht richtig aufeinandertreffen. Da es keine einheitliche 'Norm' für den Hunde-Biss gibt, ist eine genaue Diagnose herausfordernd. 'Jeder Hund hat eine einzigartige Kiefer- und Bisskonfiguration', erklärt Dr. Santiago Peralta, Assistenzprofessor für Veterinärzahnmedizin und Oralchirurgie am CUCVM. 'Entscheidend ist nicht die Normalität, sondern die Funktionalität für das Tier.'
Ein funktionaler Biss sieht so aus, dass die unteren Eckzähne außerhalb des Zahnfleischrands und vor den oberen Eckzähnen positioniert sind, beschreibt Dr. Nadine Fiani, klinische Assistenzprofessorin für Zahnmedizin und Oralchirurgie am CUCVM. Häufig sehen wir Anomalien, bei denen der untere Eckzahn zu aufrecht steht und in den harten Gaumen ragt. Klinisch relevant wird es, wenn unerwünschter Zahn-zu-Zahn- oder Zahn-zu-Weichgewebe-Kontakt vorliegt, oft mit Erosion oder Trauma an Zähnen und Gewebe.
Laienterme wie 'Unterbiss' oder 'Überbiss' meiden Peralta und Fiani in der Praxis. 'Diese Begriffe sind subjektiv und irreführend', sagt Peralta. Stattdessen nutzen Veterinärzahnärzte die präzise Terminologie des American Veterinary Dental College (AVDC).
Symptome und gesundheitliche Folgen einer Malokklusion bei Hunden
Wie erkennt man, ob der Hund leidet? Nicht jeder sichtbare Fehlbiss verursacht Schmerzen. Tierärzte entdecken Malokklusionen oft bei Welpenimpfungen, rät Fiani. Beobachten Sie Verhalten und Biss: Viele Hunde leben lange mit Fehlbissen, ohne es zu zeigen.
Schmerz kann sich in subtilen Veränderungen äußern, z. B. Schwierigkeiten beim Fressen oder Kauen, so Peralta. Körperliche Anzeichen sind übler Atem oder blutiger Speichel.
Jede Veränderung – auch klein – ernst nehmen: Unbehandelt drohen schwere Komplikationen. Fiani warnt vor oronasalen Fisteln durch zu senkrecht stehende Eckzähne, die Mund und Nase verbinden und zu Schmerzen sowie Nasenerkrankungen führen. Eng stehende Zähne begünstigen Plaque, Gingivitis und Parodontitis.
Ursachen von Zahnfehlstellungen bei Hunden
Malokklusionen sind entweder dental (Zähne fehlpositioniert in normalem Skelett) oder skelettal (abnormes Gesichtsskelett), erklärt Fiani. Skelettale Formen betreffen brachycephalen Rassen wie Bulldoggen oder Boxer durch Zucht.
Ursachen sind genetisch, erworben durch Schwangerschaftskomplikationen, Infektionen, Trauma (z. B. Bisse, Unfälle) oder schlecht verheilte Kieferfrakturen, ergänzt Peralta.
Wann ist eine Behandlung der Malokklusion bei Hunden erforderlich?
'Nicht jede Malokklusion braucht Behandlung – entscheidend ist abnormer Kontakt', betont Fiani. Bei Symptomen: Tierarzt konsultieren, ggf. Überweisung an Spezialisten. Kosmetik ist tabu: 'Nur bei medizinischem Bedarf, um Schmerzen oder Krankheiten zu verhindern', unterstreicht sie.
Optionen: Extraktion (durch Hausarzt oder Spezialist) oder Kieferorthopädie (nur Spezialisten mit Apparaturen zur Zahnverschiebung).
Bei prominentem Unterbiss: Lassen Sie prüfen. Frühe Intervention schützt vor Schmerzen. Beobachten Sie Gesundheit und Verhalten Ihres Hundes sorgfältig.