Von Paula Fitzsimmons
Im Internet wimmelt es von Tierpflegetipps, die verlockend einfach wirken: Ein paar Suchbegriffe eingeben, den ersten Treffer lesen und Ihr Haustier selbst behandeln. Praktisch, aber hochgefährlich für die Gesundheit Ihres Lieblings.
„Das Internet ist ein starkes Werkzeug. Auf seriösen Seiten finden Sie exzellente Infos“, erklärt Dr. Anne Stoneham, Fachtierärztin für Notfall- und Intensivmedizin bei University Veterinary Specialists in McMurray, Pennsylvania. „Doch Google – oder ‚Dr. Google‘, wie wir Tierärzte sagen – und Tipps von Nicht-Experten bergen oft Fehlinformationen.“
Behandeln Sie kleinere Beschwerden nur nach Rücksprache mit Ihrem Tierarzt. Dieser hat jahrelange Ausbildung: Grundstudium, vier Jahre Vet-Schule, oft Praktika und Facharztausbildungen absolviert. Vertrauen Sie auf dieses Know-how – es steht im besten Interesse Ihres Haustiers.
„Fehlt das Vertrauen, holen Sie eine Zweitmeinung ein – aber nicht von der Tante, die mal Katzen hatte“, rät Stoneham.
Hier die acht größten Risiken der Heimbehandlung:
1. Rezeptfreie Humanmedikamente ohne tierärztlichen Rat
Menschen- und Tierphysiologie unterscheiden sich grundlegend. „Das muss berücksichtigt werden“, betont Dr. John Gicking, Notfalltierarzt bei BluePearl Veterinary Specialists in Tampa, Florida.
Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol? Bei Hunden selten empfohlen wegen Nieren-, Leber- oder Magenschäden. Für Katzen sind sie extrem giftig – selbst kleine Dosen tödlich, warnt Stoneham. Naproxen führte in Gickings Praxis zu Magenperforationen und Nierenversagen bei Hunden.
Aspirin verursacht Geschwüre. „Geben Sie es nicht!“, sagt Dr. Susan Jeffrey vom Truesdell Animal Hospital in Madison, Wisconsin. Auch Zusatzstoffe wie Xylit sind für Hunde toxisch (Hypoglykämie, Leberschäden).
2. Falsche Dosierung
Selbst tiergeeignete Mittel schaden bei Über- oder Unterdosierung. „Dosierungen variieren je Art, Größe und Individuum“, erklärt Dr. Nicholle Jenkins, Notfalltierärztin bei University Veterinary Specialists. Ein Chihuahua braucht nicht die Doggen-Dosis.
Benadryl wirkt anders bei Tieren. „Kann zu starker Sedierung führen, besonders mit anderen Mitteln“, warnt Jeffrey.
3. Interaktionen mit verschriebenen Medikamenten
OTC-Mittel stören oft tierärztliche Therapien. Aspirin plus NSAID erhöht Geschwurrisiko. „Informieren Sie immer Ihren Tierarzt über OTC-Produkte“, rät Jenkins.
4. Falsche Diagnose – falsche Therapie
Symptome täuschen. „Viele geben Muskelschmerzmittel, obwohl Magen-Darm-Probleme vorliegen“, sagt Jenkins. Das verschlimmert den Zustand und verzögert Heilung – teuer und riskant.
5. Medikamente von anderen Tieren umverteilen
„Metoclopram bei Erbrechen nur nach Ausschluss von Darmverschluss“, warnt Stoneham. Falsche Anwendung kann zu Perforationen führen. Hunde-Flohmittel sind für Katzen giftig.
6. Missbrauch natürlicher Produkte
„Natürliche Mittel sind nicht automatisch sicher“, sagt Stoneham. Ephedrin in Abnehmpillen vergiftete Hunde. Viele Produkte sind unreguliert, Interaktionen unbekannt. „Gut für Menschen, nicht für Tiere.“
7. Risiken ätherischer Öle
Öle werden geleckt oder durch Haut aufgenommen – alle Haustiere gefährdet. Wintergrün wird zu Aspirin umgewandelt, Pennyroyal zu Leberschäden, Teebaum/Zitrus zu neurologischen Krisen.
8. Zu lange warten
Verzögern Sie nicht! Fremdkörper können perforieren, Appetitlosigkeit bei Katzen Fettleber auslösen. Häufiges Erbrechen signalisiert Nierenprobleme oder Krebs. „Rufen Sie an – lieber Fragen stellen als selbst experimentieren“, rät Jenkins.