Von John Plichter
Als frischgebackene Elternteil hören Sie unzählige Ratschläge – von der Babynahrung bis zum Einschlafritual. Besonders kontrovers: der Umgang mit Haustieren. Viele Mythen kursieren, die von gutmeinenden Freunden oder Familien stammen. Doch diese Häusermärchen halten einer Überprüfung nicht stand. Basierend auf Erkenntnissen von Verhaltensexpertin Shanna Rayburn und Tierärztin Dr. Jeannine Berger klären wir die Fakten auf.
Haustiere „spüren“ kein Baby im Bauch
Wir idealisieren unsere Haustiere oft und schreiben ihnen einen sechsten Sinn zu. Tatsächlich nehmen Hunde oder Katzen vor allem Veränderungen in der Routine wahr – nicht den ungeborenen Säugling. „Die meisten Haustiere reagieren stärker auf unser verändertes Verhalten als auf körperliche Veränderungen“, erklärt Shanna Rayburn, zertifizierte Veterinärtechnikerin mit Spezialisierung auf Verhalten. Terminänderungen durch Arztbesuche oder neue Babyutensilien lösen Unsicherheit aus.
Deshalb: Passen Sie Haushalt und Tagesabläufe frühzeitig an. „Legen Sie den neuen Rhythmus fest, lange vor der Geburt“, rät Rayburn. „Beginnen Sie bei Trennungsangst oder Scheu vor Neuem sofort mit der Umgewöhnung.“
Katzenstreu in der Schwangerschaft: Risiko nicht unterschätzen
Die Katzentoilette polarisiert. Wer behauptet, sie sei für Schwangere absolut harmlos, verschweigt Gefahren. Katzenkot kann den Parasiten Toxoplasma gondii enthalten, der ungeborene Babys schädigen kann. Selbst minimale Mengen beim Reinigen reichen für eine Infektion.
„Schwangere sollten schmutziges Katzenstreu meiden und nie selbst reinigen“, empfiehlt Dr. Jeannine Berger, Tierärztin und Vizepräsidentin für Rettung und Wohlfahrt bei der San Francisco SPCA. Lassen Sie Partner:innen übernehmen und schulen Sie sie in Hygiene und Standards Ihrer Katze. Händewaschen allein reicht oft nicht.
Katzen und Babys: Keine Ersticker-Gefahr
Hunde gelten als familientauglich seit Lassie. Katzen hingegen kämpfen mit Vorurteilen: Angeblich ersticken sie Babys wegen Milchgeruch. Falsch! Katzen suchen Wärme und Weichheit. „Viele kuscheln sich einfach neben das Baby“, sagt Dr. Berger. Dennoch: Nie allein lassen, egal wie harmonisch das Zusammenspiel wirkt.
Babys sind für Hunde kein „Rudelmitglied“
Wir überschätzen Hundeintuition: Neugeborene sind laut, riechen fremd und zappeln unkontrolliert – pure Angstauslöser. „Selbst mustergültige Hunde können aus Furcht schnappen“, warnt Rayburn. Führen Sie Kontakte schrittweise ein und überwachen Sie jede Interaktion streng.