Von Jennifer Kvamme, DVM
Die Behandlung Ihres Haustiers gegen Flöhe oder die Prävention eines Befalls kann verwirrend wirken. Viele Optionen und unterschiedliche Wirkmechanismen sorgen für Unsicherheit. Als erfahrene Tierärztin gebe ich hier einen fundierten Überblick.
Pyrethrine und Pyrethroide
Seit Jahrhunderten nutzt man Extrakte aus Chrysanthemenblüten als Insektizide. Die natürlichen Pyrethrine stammen aus diesen Blüten.
Pyrethrine zählen zu den häufigsten Wirkstoffen in Floh- und Zeckenmitteln für Haustiere. Sie stören die Nervenfunktion von Insekten, lösen unkontrollierte Impulse aus und führen zum Tod. Dank geringer Toxizität sind sie für Säugetiere sicher. Aufgetragen auf Haut oder Fell bekämpfen sie Flöhe, Zecken, Läuse, Milben und Mücken.
Pyrethrine zerfallen jedoch schnell durch Licht, Luft oder Feuchtigkeit. Deshalb kombiniert man sie mit Stabilisatoren.
Pyrethroide
als synthetische Varianten sind stabiler, aber etwas giftiger. Sie wirken ähnlich und eignen sich für Spot-on-Produkte oder Haushaltssprays. Wichtig: Nicht für Katzen geeignet!
Andere pflanzliche Wirkstoffe
Rotenon aus Wurzeln tropischer Pflanzen lähmt Insekten und blockiert Sauerstoffaufnahme. Es gilt als sicher in geringen Dosen für Kleintiere, ist aber für Fische hochgiftig.
D-Limonen und Linalool aus Zitrusfrüchten weichen Insektenpanzer auf und lassen sie austrocknen. Häufig in Shampoos und Dips. Bei Katzen Vorsicht: Sie reagieren empfindlich auf Zitrusöle.
Zitrusmittel wehren Flöhe ab, beseitigen aber keinen Befall allein. Kombinieren Sie sie bei Bedarf mit stärkeren Mitteln.
Häufige chemische Flohmittel
Imidacloprid blockiert Nervensignale bei Insekten. Es tötet 90 % der adulten Flöhe innerhalb von 24 Stunden und verhindert Eierlegen. In öliger Lösung verteilt es sich über Fell und Haut, wirkt monatelang gegen Flöhe, Larven und Eier.
Fipronil und Metaflumizon in Spot-ons oder Sprays lähmen Insektennerven.
Selamectin tötet inner- und außenparasiten, schützt vor Herzwürmern, Flöhen, Zecken und Milben. Es dringt über die Haut ins Blut. Dinotefuran wirkt kontaktbasiert gegen alle Flohstadien.
Orale Flohmittel
Lufenuron speichert sich im Fettgewebe und tötet Larven, indem es deren Exoskelett verhindert. Erwachsene Flöhe überleben – ergänzen Sie mit anderen Mitteln gegen Hausbefall.
Spinosad (aus Bodenbakterien) tötet adulten Flöhe bei Hunden oral, indem es Nerven überstimuliert. Vorsicht bei Epilepsie.
Nitenpyram tötet Flöhe in 30 Minuten bei Hunden und Katzen, wirkt aber kurzfristig – ideal für risikoreiche Ausflüge wie Parks oder Pensionen.
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Kein Mittel ist risikofrei. Lesen Sie Etiketten genau, konsultieren Sie bei Jungtieren, Alten oder Kranken Ihren Tierarzt. Bei Verhaltensänderungen oder Krankheitssymptomen sofort handeln.