Eine neue Studie offenbart: Ein besonders räuberischer Braunbär erwachte aus dem Winterschlaf und tötete in einem Monat 38 Rentierkälber, gefolgt von 18 Elchkalb im nächsten Monat.
Dieses 13-jährige Weibchen gehörte zu 15 Braunbären, die Forscher in Nordschweden mit GPS-Halsbändern verfolgten, um ihr Habitatnutzungsverhalten zu analysieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Bären im Frühjahr gezielt in Rentier- und Elchkalbungsgebiete ziehen. Die genutzten Areale variierten je nach Jagderfolg – einige Bären wie dieses Exemplar waren deutlich aktiver.
Warum sind manche Bären räuberischer? „Es ist eine Kombination aus Faktoren, darunter angeborenes Verhalten und Persönlichkeit – ähnlich wie bei Menschen, wo manche aggressiver sind“, erklärt Co-Autor Antonio Uzal Fernandez, leitender Dozent für Wildtierschutz an der Nottingham Trent University, in einer E-Mail an Live Science.
Die Studie betont: Solche „räuberischen“ Bären stellen keine erhöhte Bedrohung für Menschen dar.
Braunbären (Ursus arctos) sind die am weitesten verbreitete Bärenart weltweit und kommen laut International Union for Conservation of Nature in 45 Ländern Nordamerikas, Europas und Asiens vor. Dieses Paper ist Teil eines Langzeitprojekts zu Braunbären in Norwegen und Schweden.
Zwischen 2010 und 2012 trackten die Wissenschaftler die Bären per GPS und dokumentierten Tötungen. Mit Beginn der Rentierkalbungszeit wechseln schwedische Braunbären in hochgelegenes, zerklüftetes Gelände, bevorzugt von Rentierkühen mit Jungen, und dann in elchtypische Habitate wie Laubwälder, wie eine Erklärung der Nottingham Trent University beschreibt. So jagen sie hilflose Kälber.
Das Team verglich Habitatpräferenzen und Tötungsraten: „Stark räuberisch“ waren Bären mit mehr als 0,4 Tötungen pro Tag (Durchschnitt), „niedrig“ darunter. Starke Räuber bevorzugten dichte Wälder mit vielen Rentieren, schwache offene Flächen.
Acht von 15 Bären waren hochaktiv und töteten pro Saison über 20 Rentier- und 5 Elchkä lber. Erwachsene Beute ist schwerer zu erbeuten, daher fokussieren sie bis Juli auf Kälber, wechseln dann zu Beeren bis zum Winterschlaf.
„Unsere Studie unterstreicht individuelle Unterschiede im Raubverhalten und deren Einfluss auf Habitatwahl“, so Fernandez. „Für das Management entscheidend: Generelle Raubtierreduktion hilft nicht immer, da einzelne Bären kühner sind.“
In Schweden halbwild gehaltene Rentiere der indigenen Samen werden jährlich von Bären bedroht, was zu Abwehrabschüssen führt. Die Studie hilft, Hotspots vorherzusagen, um Hirten zu warnen und Verluste durch Maßnahmen wie erhöhte Überwachung zu minimieren.
Die Ergebnisse erschienen am 17. Dezember in der Fachzeitschrift Diversity.