
Eine neu entdeckte Art verzweigter Meereswürmer besitzt Dutzende regenerativer Hinterteile, die sich bei der Fortpflanzung lösen und davonschwimmen. Wegen dieser außergewöhnlichen Fähigkeit benannten die Forscher die Spezies nach Godzillas monströsem Widersacher King Ghidorah.
Insgesamt 25 Exemplare des neuen Wurms Ramisyllis kingghidorahi, benannt nach dem kaijuhaften Monster, wurden im Oktober 2019 in japanischen Meeresschwämmen entdeckt. Im Unterschied zu seinem Namensvetter mit drei Köpfen und zwei Schwänzen weist R. kingghidorahi einen einzelnen Kopf auf, jedoch mehrere hintere Äste, die die schmalen Röhren in ihren Wirtschwämmen – Längen von 5 bis 10 Zentimetern – ausfüllen.
Bei der Vermehrung löst sich das als Stolon bekannte Ende jedes Zweigs ab, schwimmt zur Oberfläche und setzt Eier oder Spermien frei. Die Befruchtung erfolgt in der Wassersäule. Die Stolonen sterben ab, doch der Wurm regeneriert in seinem schwammigen Wirt die verlorenen Abschnitte für den nächsten Zyklus.

„King Ghidorah ist ein verzweigendes fiktives Wesen, das verlorene Enden regenerieren kann. Deshalb erschien uns dies als passender Name für den neuen verzweigten Wurm“, erläutert die Erstverfasserin Maria Teresa Aguado, Evolutionsbiologin an der Universität Göttingen mit Spezialisierung auf wirbellose Meeresorganismen, in einer Erklärung.
R. kingghidorahi ist die dritte bekannte Art verzweigter Meereswürmer. Die erste, Syllis ramosa, wurde 1879 auf den Philippinen gefunden. Die zweite, Ramisyllis multicaudata (aus derselben Gattung), entdeckte man 2006 in Nordaustralien und benannte sie 2012. Eine Studie von Mai 2021 zeigte, dass R. multicaudata bis zu 100 verzweigte Segmente aufweisen kann, wie Live Science berichtete.

Die Arten bevorzugen unterschiedliche Schwämme: S. ramosa Tiefsee-Glasschwämme, während beide Ramisyllis-Arten Flachwasser-Steinschwämme nutzen. Die Forscher erwarten weitere Entdeckungen, da diese Würmer meist verborgen in Schwämmen leben und schwer zu finden sind.
„Wir waren verblüfft, eine weitere dieser faszinierenden Kreaturen zu entdecken“, so Aguado. Genetische Analysen zu R. kingghidorahi und R. multicaudata, die einen gemeinsamen Vorfahren teilen, offenbaren eine unerwartete Vielfalt unter diesen Würmern.
Die Wissenschaftler untersuchen nun die Beziehung zwischen Würmern und Wirtschwämmen.
„Die genaue Natur dieser Interaktion – symbiotisch oder parasitär – ist noch unklar“, betont Aguado. Ebenso rätselhaft bleibt, wie die Würmer in den Schwämmen genügend Energie für Wachstum und Regeneration gewinnen, Prozesse, die hochgradig energieaufwendig sind.
Die Studie erschien am 19. Januar online in der Fachzeitschrift Organisms Diversity & Evolution.