
Paläontologen in Argentinien haben den Schädel eines außergewöhnlichen Dinosauriers entdeckt: eines "armlosen" Fleischfressers mit kleinem Gehirn, der vor etwa 70 Millionen Jahren lebte. Dies ergibt sich aus einer neuen Studie führender Experten.
Die neu beschriebene Art, Guemesia ochoai – benannt nach dem argentinischen Unabhängigkeitshelden General Martín Miguel de Güemes –, gehört zur Familie der Abelisauridae. Diese Gruppe von Fleischfressern bevölkerte während des Dinosaurierzeitalters Südamerika, Afrika und Indien.
G. ochoai könnte ein enger Verwandter der Abelisauriden-Vorfahren sein, meinen die Forscher. Er unterscheidet sich jedoch durch fehlende Hörner – möglicherweise ein Merkmal früher Vorfahren – und seinen Fundort im Norden Argentiniens nahe Amblayo. Die meisten Abelisaurier-Funde stammen aus Patagonien, was auf vielfältige Ökosysteme in der Kreidezeit hindeutet.
"Dieser neue Dinosaurier ist für seine Art ungewöhnlich", erklärt Co-Autorin Anjali Goswami, Forschungsleiterin am Natural History Museum in London, in einer Stellungnahme. "Er belegt, dass Dinosaurier in dieser Region sich von denen anderswo in Argentinien unterschieden und unterstützt die These getrennter Provinzen in der Kreidezeit Südamerikas."
Abelisauriden jagten vermutlich langhalsige Titanosaurier – eine beeindruckende Tat trotz ihrer überflüssigen, nutzlosen kurzen Arme. Ähnlich armlos wirkten die Gliedmaßen des Tyrannosaurus rex, dessen Arme jedoch länger waren. Unveröffentlichte Studien deuten darauf hin, dass T. rex sie vielleicht zum Festhalten von Beute nutzte.
Mit schwachen Armen jagten Abelisauriden hauptsächlich mit ihren kräftigen Schädeln und Kiefern.

Vom Individuum G. ochoai liegt nur der Schädel vor, gefunden in der Los Blanquitos-Formation bei Amblayo. Das internationale Team aus argentinischen und britischen Paläontologen untersuchte die exzellent erhaltene Hirnschale. Wie bei anderen Abelisauriden war sie klein, was auf ein geringes Gehirnvolumen hindeutet. Der gesamte Schädel ist rund 70 % kleiner als bei adulten Verwandten, was auf ein juveniles Tier hindeuten könnte – eine Frage, die noch offen ist.
Ein besonderes Merkmal sind Reihen kleiner Foramina an der Schnauzenfront. Diese Löcher könnten G. ochoai beim Kühlen geholfen haben, indem sie Blut durch die dünne Haut pumpten und Wärme abstrahlten, wie die Experten vermuten.
Obwohl Argentinien 35 Abelisaurier-Arten hervorgebracht hat – meist aus Patagonien –, unterstreicht G. ochoai zusammen mit Funden wie einer riesigen Schildkröte mit 1 Meter langem Panzer die Einzigartigkeit Nordargentiniens in der späten Kreidezeit.
Die Forscher hoffen auf weitere Funde, um mehr über das prähistorische Argentinien zu lernen. Die Studie erschien am 10. Februar online im renommierten Journal of Vertebrate Paleontology.