DeuAq.com >> Leben >  >> Tiere & Insekten

Goffin-Kakadus meistern Putt-Golf mit Werkzeugen: Studie des Goffin-Labors in Wien

Goffin-Kakadus meistern Putt-Golf mit Werkzeugen: Studie des Goffin-Labors in Wien

In einem beeindruckenden Video demonstriert der Goffin-Kakadu (Cacatua goffiniana) namens Figaro das Spielen von Putt-Golf. Mit scheinbar müheloser Präzision platziert der Vogel einen Ball auf einer Plattform und schlägt ihn mit einem Stock ins Loch. Forscher des Goffin-Labors am Messerli-Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien erklären, dass solche Verhaltensweisen wertvolle Einblicke in die Evolution menschlicher Werkzeugnutzung bieten könnten.

Der Werkzeuggebrauch bei Tieren ist selten. Noch seltener ist die Nutzung zusammengesetzter Werkzeuge, bei denen zwei oder mehr Objekte für ein gemeinsames Ziel kombiniert werden. Die meisten menschlichen Werkzeuge, wie eine Axt mit Metallkopf und Holzgriff oder komplexe Systeme wie Autos und Computer, fallen in diese Kategorie.

Die erste Beobachtung eines Werkzeug nutzenden Goffin-Kakadus war laut Dr. Alice Auersperg, Leiterin des Goffin-Labors, rein zufällig. Ein Doktorand sah, wie Figaro einen Stein durch das Gitter fallen ließ und ihn mit einem Stock zurückholte.

"Ich war hochgradig begeistert, daher platzierten wir eine Nuss an derselben Stelle", berichtet Auersperg in einem Interview mit WordsSideKick.com. Statt den Stock zu nutzen, improvisierte Figaro ein Werkzeug aus Material im Gehege und holte die Nuss rasch. Seitdem dokumentierten Wissenschaftler des Labors Werkzeuggebrauch bei 14 Goffin-Kakadus in Gefangenschaft sowie in Wildpopulationen.

Bisher ging es um einfache Werkzeuge wie Stöcke oder Steine. Zusammengesetzte Werkzeuge gelten als kognitiv anspruchsvoller. Dr. Antonio Osuna-Mascaró vom Goffin-Labor wollte dies testen, ohne die körperlichen Grenzen der Vögel – im Gegensatz zu Primaten mit Händen und opponierbaren Daumen – zu belasten. "Es ging um kognitive Grenzen", betont er.

Das Labor grenzt an einen Golfplatz, was die Inspiration lieferte. Golf erfordert die Kombination von Schläger und Ball – ähnlich wie beim Erreichen eines Ziels mit einem Leckerbissen. Goffin-Kakadus beherrschen einfaches Fegen mit einem Stock, doch die Integration von Ball und Stock war neu.

Im Experiment wartete eine Schachtel mit Putting-Green: Der Kakadu musste einen Ball aufs Grün legen und auf eine klappbare Plattform mit Nuss "putten".

Fünf von 11 Vögeln lösten die Aufgabe mindestens einmal. Figaro knackte sie im ersten Versuch, schummelte beim Zweiten aber, indem er die Plattform direkt zum Einsturz brachte.

Am faszinierendsten: Jeder Vogel löste das Problem einzigartig. "Einer hielt den Stock zwischen Mandibeln, ein anderer mit Schnabelspitze und Zunge, einer mit der Klaue wie ein Primat", beschreibt Osuna-Mascaró.

Dr. Sarah Beck von der University of Birmingham, Mitautorin der Studie, untersucht, wie solche Tierstudien die menschliche Werkzeugentwicklung beleuchten – besonders bei Kindern. Viele 7- bis 8-Jährige nutzen Alltagsgegenstände, scheitern aber an Innovation.

"Kinder unter 8 haben oft Probleme mit Aufgaben, die Kakadus meistern", sagt Beck gegenüber Live Science. Goffins imitieren schwächer als sie selbst innovieren – im Gegensatz zu Kindern.

Die Erforschung bei Nicht-Primaten offenbart evolutionäre Schlüssel, da Intelligenz hier unabhängig entstand, erklärt Beck.

Die Studie erschien am 27. Januar in Scientific Reports.