Früher wurde das Entkrallen von Katzen oft als Lösung gegen Kratzschäden gesehen. Heute hat sich das Bewusstsein geändert: Eine wachsende Bewegung setzt sich für ein Verbot dieser Praxis ein.
Diese Initiative hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen, was zu strengeren Gesetzen gegen das Entkrallen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene geführt hat. Als Tierwohl-Experten mit fundierten Kenntnissen zu Tierschutzgesetzen möchten wir die Fakten klarstellen.
Warum wird das Entkrallen verboten?
Studien belegen, dass das Entkrallen zu kurz- und langfristigen Schmerzen sowie Verhaltensstörungen bei Katzen führt. Kratzen ist ein natürliches, gesundes Verhalten für Katzen – es dient der Pflege, Markierung und Dehnung.
Viele wissen nicht: Beim Entkrallen wird der letzte Knochen jeder Zehe amputiert, ähnlich wie beim Menschen das Abschneiden des Knochens am Zehengrund. Solche Amputationen erfolgen beim Menschen nur aus medizinischen Gründen oder lebensrettenden Notwendigkeiten.
Diese Erkenntnisse haben viele Katzenbesitzer und Tierärzte dazu gebracht, die Praxis neu zu bewerten und Alternativen wie Krallenkappen oder Kratzbäume zu bevorzugen.
Internationale Verbote des Katzenentkrallens
Das Verbot des nicht-medizinischen Entkrallens ist weltweit ein brisantes Thema. In vielen Ländern gilt es bereits als Tierquälerei.
Israel erweiterte 2011 sein Gesetz gegen Tierquälerei um ein explizites Verbot. Ähnliche Regelungen gibt es in Australien, Neuseeland und Brasilien.
Im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales, Nordirland) verbietet der Animal Welfare Act von 2006 diese Praxis.
Gemäß dem Europäischen Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren haben folgende Länder das Entkrallen eingeschränkt oder verboten:
- Österreich
- Belgien
- Bulgarien
- Zypern
- Tschechische Republik
- Dänemark (außer Grönland und Färöer)
- Finnland
- Frankreich
- Deutschland
- Griechenland
- Italien
- Lettland
- Litauen
- Luxemburg
- Norwegen
- Portugal
- Rumänien
- Serbien
- Spanien
- Schweden
- Schweiz
- Türkei
- Ukraine
In Kanada fehlt ein Bundesverbot, doch sieben von zehn Provinzen haben es untersagt, darunter:
- Neuschottland
- Britisch-Kolumbien
- Prince Edward Island
- Neufundland und Labrador
- Neubraunschweig
- Manitoba
- Alberta
Verbote in den USA
In den USA begann die Bewegung auf lokaler Ebene, mit Hunderten von Städten, die Verbote erließen.
Stadtverbote
West Hollywood, Kalifornien, führte 2003 als erste US-Stadt ein Verbot ein. Viele kalifornische Städte folgten, darunter Berkeley, Beverly Hills, Burbank, Culver City, Los Angeles, San Francisco und Santa Monica. Kalifornien verbietet zudem das Entkrallen wilder und exotischer Katzen.
Denver erließ 2017 ein solches Verbot.
Staatliche Verbote
Auf Bundesebene machen Fortschritte: New York wurde 2019 als erster Staat Pionier. Trotz Debatten verabschiedete Bill A01303B, und Gouverneur Andrew M. Cuomo unterzeichnete am 22. Juli 2019: „Das Entkrallen ist grausam und schmerzhaft, führt zu Problemen bei Tieren – heute endet diese archaische Praxis.“
New Jersey
Bill A3899 wurde von der Versammlung genehmigt und wartet auf den Senat.
Massachusetts
Bill S.169 prüft derzeit der Ausschuss für Verbraucherschutz.
West Virginia
House Bill 2119 wurde Januar 2019 eingebracht; Status offen.
Florida
Senatorin Lauren Book legte am 2. August 2019 Senate Bill 48 vor, das an Ausschüsse verwiesen wurde. Ziel: Inkrafttreten 2020.