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Boom der Hundeausstellungen in Indien: Von Wächtern zu prestigeträchtigen Statussymbolen

Boom der Hundeausstellungen in Indien: Von Wächtern zu prestigeträchtigen Statussymbolen

Highlights

• Indiens Hundeausstellungsbranche boomt: Besitzer investieren Tausende Rupien in die Vorbereitung ihrer Trophäenhunde.
• Teilnehmer fliegen ihre Hunde sogar aus Hyderabad und Kalkutta ein.
• Stark zunehmende Nachfrage nach Stammbäumen und exotischen Rassen wie Samojeden, Tibetan Mastiffs und Akitas.

Indiens Hundeausstellungsbranche erlebt einen echten Aufschwung, da passionierte Besitzer Tausende Rupien für die professionelle Vorbereitung ihrer Champion-Hunde ausgeben. Es ist 14 Uhr an einem sonnigen Wintersonntag in Delhi, und ein spannender Wettbewerb tobt. Die Zuschauer recken die Hälse, als drei elegante Teilnehmer mit stolz erhobenem Kopf und sicherem Schritt den Ring betreten. Der erfahrene Richter prüft gründlich ihre Zähne, fährt mit der Hand über den Rücken und inspiziert den gesamten Körperbau.

Diese Siberian Huskies lassen die Untersuchung geduldig über sich ergehen. Sie gehörten zu den 310 Hunden aus 39 Rassen, die sich bei der 83. und 84. All Breed Championship Dog Show des Delhi Kennel Club im Indira Gandhi Indoor Stadium angemeldet hatten. Boxer, Bullterrier, Bernhardiner sowie seltene Rassen wie Fila Brasileros, Malteser und Bordeauxdoggen warteten in klimatisierten Transportboxen oder angebunden an Bäumen – frisiert, konditioniert und bereit für die Runden in Rassen- und Gruppenwettbewerben (Spielzeughunde, Windhunde etc.).

Einige Besitzer hatten ihre Hunde extra aus Hyderabad und Kalkutta einfliegen lassen; andere kamen aus nächstgelegenen Städten wie Jalandhar, Dehradun und Moradabad.

Warum diese Mühe für einen Pokal ohne Preisgeld? Ein Titel bestätigt höchste Zucht- und genetische Qualität – der Goldstandard in der modernen Hundehaltung. Für Züchter mit kommerziellem Fokus vervielfacht ein championbetitelter Stammbaum den Wert der Nachzucht: bis zu dreimal höhere Preise. Top-Züchter verlangen gar bis zu 1,5 Lakh Rupien für Paarungen mit Champions. Hundeausstellungen sind für Hunde, was Schönheitswettbewerbe für Models bedeuten: der Einstieg in eine glanzvolle Karriere.

Laut Euromonitor International umfasst der indische Heimtier-Markt 17,3 Milliarden Rupien (davon rund 80 % für Hunde) und wächst jährlich um 20 %.

Die Nachfrage nach Papieren und Raritäten wie Samojeden, Tibetan Mastiffs und Akitas steigt rasant. Früher jagten und bewachten Indiens Hunde die Höfe – heute sind sie Statussymbole wie Luxusautos: ein Tibetan Mastiff entspricht einem Mercedes, ein Beagle einem soliden Kleinwagen.

„Früher galten Hunde als reine Wachhunde, heute kaufen Käufer gezielt Stammbäume von „höchster Qualität““, erklärt C. V. Sudarsan, Sekretär des Kennel Club of India (KCI), der einzigen Stelle für Hunde-Papiere im Land. Im Vorjahr registrierte das KCI 45.000 Stammbäume, die typischerweise fünf Generationen der Abstammung dokumentieren.

Mit der wachsenden Hundepopulation mehren sich auch die Clubs: Rund 70 KCI-verbundene Vereine im Land organisieren je mindestens zwei Shows jährlich. „Letztes Jahr gab es etwa 140 Veranstaltungen – doppelt so viele wie vor einem Jahrzehnt“, ergänzt Sudarsan.

Der 30-jährige Bauer Simranjeet Singh aus Jalandhar zahlte vor sechs Monaten 35.000 Rupien für einen Chow-Chow und holte bei ihrem Debüt prompt ein Challenge Certificate (CC) – den ersten Schritt zum Champion-Status (drei CCs reichen). „Ich habe nur zum Spaß teilgenommen, aber nun plane ich Zucht: Suzukas Welpen werden teurer als mein Kaufpreis“, freut sich Singh.

Während Metropolen wie Chennai, Delhi, Bengaluru, Mumbai und Kalkutta traditionell Shows beherbergen, entstehen nun Clubs in Provinzstädten wie Kozhikode, Jabalpur, Trichy, Aligarh und Ghaziabad.

In Madhya Pradesh startete vor neun Jahren die erste Show mit Mischlingen und Zirkushunden. „Heute erwarten Zuschauer echte Rassenshows“, sagt Dr. Ankur Choudhary, Sekretär des Kennel Club von Mahakaushal in Jabalpur. Er ist überzeugt: Mehr Shows stärken gesunde Genpools. Besitzer reisen dreimal jährlich mit Hunden, Trainern und Pflegekräften quer durchs Land – Ausgaben bis 50.000 Rupien pro Event – und sensibilisieren so für neue Rassen.

„Viele Zuschauer kaufen danach den gesehenen Hund“, meint Choudhary. Ein Jabalpur-Bewohner erwarb nach einer Show einen Malteser-Welpen für 72.000 Rupien. Choudharys eigene Champion-Bullmastiffs bringen 1 Lakh pro Welpe – im Gegensatz zu 15.000 Rupien für unbetitelte. Er importierte sogar aus Italien und Russland, trotz bürokratischer Hürden.

Für Handler wie Daksh Kachwaha (34) sind Shows ein Berufsstart: Er präsentiert acht bis zehn Events jährlich, spezialisiert auf Deutsche Schäferhunde. „Handler verdienen 10.000 Rupien pro Hund und Show, bis 2-3 Lakh pro Saison“, erklärt er. KCI plant Lizenzen für höhere Standards.

Zudem pushen Ausstellungen den Heimtierhandel: Marken präsentieren Futter, Pflege und Mode. Rana Atheya von Dogspot (gefördert von Ratan Tata) prophezeit: „Hundeausstellungen werden bald das IPL der Hundebranche.“