
Hypnotisierende Drohnenaufnahmen erfassen einen Schwarm Riffhaie, der die schwimmenden Reste eines toten Buckelwals vor der australischen Küste zerlegt. Mindestens 60 Haie wirbeln in einer atemberaubenden Spirale um den blubbernden Kadaver – Augenzeugen schätzen sogar über 100 Tiere beim Fressrausch.
Die Touristen John Cloke und Indy Crimmins filmten diese Szene vor Norman's Beach nahe Albany in Westaustralien. Nach einem Angelausflug entdeckte Cloke laut ABC News "dieses große Ding im Wasser, umgeben von Vögeln" und schickte seine Drohne los.
Das Video, das das Paar am 16. Mai auf ihrer Instagram-Seite teilte, zeigt Dutzende Haie um einen etwa 15 Meter langen Buckelwal (Megaptera novaeangliae). Beim Herauszoomen wird ein hypnotischer Wirbel sichtbar, in dem weitere Haie lauern. "Irgendwann waren wohl rund 100 Haie dabei", sagte Cloke gegenüber ABC News. "Wir konnten sie nicht alle zählen."
Solche detaillierten Aufnahmen von Haien bei der Nahrungssuche an der Oberfläche sind rar, doch Experten betonen: Das Ereignis ist alltäglich.
"Als Haiforscher finde ich das Material hochinteressant, aber nicht ungewöhnlich", erklärt Steve Taylor vom Department of Primary Industries and Regional Development in Australien gegenüber ABC News. Die Aufnahmen seien jedoch "wunderschön".
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Im August 2021 filmte ein Meeresbiologenteam vor Massachusetts acht Weiße Haie (Carcharodon carcharias), die einen Buckelwal zerfleischten. Eine BBC-Sequenz aus Blue Planet II (2017) zeigte ähnlich Haie bei einem Wal, der von einem Schiff getötet wurde.

Nach dem Tod treiben Wale oft wochenlang an der Oberfläche, da Gase ihr Körper aufblähen. Eine Studie von 2020 in Frontiers in Marine Science zeigt: Speckreiche Arten wie Buckelwale bleiben länger schwimmend und ziehen Aasfresser wie Haie und Seevögel an.
In den australischen Aufnahmen handelte es sich wahrscheinlich um Riffhaie und Bronzewalfänger (Carcharhinus brachyurus), sagt Taylor. "Ein Walkadaver ist ideale Nahrung für viele Küstenhaie."

Dieser Oberflächenfressrausch ist nur der Auftakt: Nach dem Sinken wird der Kadaver zum "Walfall" am Meeresboden. Dort fressen ihn Aale, Krabben, Tintenfische und Tiefseehaie, wie die Ocean Conservancy beschreibt. Knochen werden über Jahrzehnte von Mikroben abgebaut, ergänzt die National Oceanic and Atmospheric Administration.