Eine aktuelle Studie zeigt: Der Tiefseeboden wimmelt von unentdeckten Lebensformen, die maßgeblich zum Klimaschutz beitragen.
Forscher haben DNA aus Tiefseesedimenten weltweit sequenziert und festgestellt, dass auf dem Meeresboden mindestens dreimal mehr Leben existiert als in den oberen Ozeanschichten. Fast zwei Drittel dieser Organismen sind noch nicht identifiziert.
"Seit den 1960er Jahren wissen wir von der hohen Artenvielfalt in der Tiefsee", erklärt Co-Autor Andrew Gooday, Tiefseebiologe und emeritierter Forscher am National Oceanography Centre in England, gegenüber Live Science. "Neu an dieser Studie: Auf höheren taxonomischen Ebenen gibt es eine Fülle unbekannter Vielfalt."
Mit anderen Worten: Zahlreiche unbekannte evolutionäre Linien – darunter ganze Artenfamilien – warten darauf, entdeckt zu werden.
Der Tiefseeboden bedeckt mehr als die Hälfte der Erde und beherbergt einige der am wenigsten erforschten Ökosysteme. Frühere Analysen konzentrierten sich auf DNA aus der Wassersäule. Diese Studie ergänzt das Bild durch eine globale Untersuchung der Boden-DNA und schafft einen umfassenden Überblick über die Ozean-Biodiversität.
Das Team sequenzierte DNA aus 418 Proben, entnommen zwischen 2010 und 2016 aus allen großen Ozeanbecken. Sie verglichen diese mit Daten aus dem restlichen Ozean, um DNA gesunkener Organismen von endemischen Meeresbodenbewohnern zu unterscheiden.
Anstatt einzelne Arten zu bestimmen, analysierten sie Sequenzvarianten, um große Gruppen wie Familien oder Ordnungen zu differenzieren.
Der Großteil der Boden-DNA ließ sich keiner bekannten Gruppe zuordnen – sie stammt von unentdeckten taxonomischen Einheiten. Der Fokus lag auf Eukaryoten-DNA kleiner Organismen. "Wir meinen winzige Tiere unter einem Millimeter und viele Protozoen, also einzellige Wesen", präzisiert Gooday.
Größere Tiere wie Kraken wurden nicht erfasst, weshalb die tatsächliche Vielfalt noch höher ausfällt. Zudem untersuchten sie nur Sedimente, nicht Felsen oder Nischen.
Warum beherbergt der Tiefseeboden so viel Leben?
Die hohe Biodiversität überrascht nicht: Der Boden bietet komplexere Habitate als der Oberozean, mit Mikronischen wie tiefen Korallenriffen und Unterwasser-Vulkane. "In einheitlichen Umgebungen teilen Arten denselben Raum", sagt Gooday. "Vielfältige Mikrohabilate fördern Spezialisierung."
Die Studie beleuchtet auch die Rolle der Tiefsee in der biologischen Pumpe: Phytoplankton bindet Kohlenstoff an der Oberfläche und speichert ihn in Tiefensedimenten. Basierend auf DNA-Zusammensetzung prognostizierte das Team die Pumpenstärke und identifizierte Planktongemeinschaften, die entscheidend CO₂ aufnehmen und das Klima regulieren.
Die Ergebnisse erschienen am 4. Februar in Science Advances.