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Sauropoden-Hälse waren länger als gedacht: Neue Studie von Paläontologen

Sauropoden-Hälse waren länger als gedacht: Neue Studie von Paläontologen

Stellen Sie sich einen massigen Langhals-Dinosaurier vor – wie in Filmen, wo sie hoch an Blätter knabbern, oder als Skelett in Museen. Doch eine neue Studie gibt einen Realitätscheck: Die meisten dargestellten Sauropoden-Hälse sind ungenau.

Vollständige Sauropoden-Hälse sind rar, und selbst gut erhaltene zeigen Verzerrungen durch Millionen Jahre. Paläontologen streiten oft, wo Hals endet und Rücken beginnt. Zudem fehlen in Modellen oft Gewebe wie Knorpel und Fettpolster, die die Länge erhöhen würden.

„Nehmen Sie Museums-Skelette nicht zu wörtlich“, rät Mike Taylor, Wissenschaftler am Department of Earth Sciences der University of Bristol, in einem Interview mit Live Science. Mit präzisem Knorpel könnten Hälse locker 1 Meter länger sein.

Taylor forscht seit über 20 Jahren zu Sauropoden-Hälsen. „Sie faszinieren mechanisch, biologisch, physiologisch und ökologisch – die extremsten Körperteile der Erdgeschichte“, erklärt er.

Bei der Analyse entdeckte er: Viele Fossilien sind lückenhaft. Selbst Ikonen wie der Diplodocus im Carnegie Museum Pittsburgh, Apatosaurus-Replikate weltweit oder der Brachiosaurus in Berlin haben unvollständige Hälse.

Sauropoden-Hälse waren länger als gedacht: Neue Studie von Paläontologen

Frühe Ausgrabungen aus dem 19./20. Jahrhundert leiden unter übertriebener Restaurierung. Sauropoden wie Argentinosaurus – bis zu 35 m lang, 70 Tonnen schwer – fossilisierten selten vollständig. Zerbrechliche, hohle Halswirbel verzerrten sich leicht.

„Die besten Funde sind kleine Exemplare wie das kuhgroße Jungtier Camarasaurus lentus", notiert Taylor. Längste Hälse (Patagotitan, Puertasaurus, Dreadnoughtus) erreichen geschätzte 10 m – basierend auf wenigen Wirbeln.

Sauropoden-Hälse waren länger als gedacht: Neue Studie von Paläontologen

Wirbel fehlen oder sind vertauscht, Rippen erschweren die Abgrenzung. „Bei Säugetieren sind es klar sieben Halswirbel ohne Rippen“, kontrastiert Taylor.

Der weltberühmte „Dippy“-Diplodocus (Abgüsse in London, Berlin, Paris) hatte anfangs 11 Wirbel – später korrigiert auf 15. Doch Fehlzuordnungen sind möglich.

Taylor schlägt vor: In Museen fehlende Teile farblich markieren, um Spekulationen klarzumachen. Das schützt unser Wissen, z. B. bei Stammbaum-Analysen, betont Femke Holwerda (Royal Tyrrell Museum).

Die Studie erschien am 24. Januar in PeerJ und auf Taylors Blog SV-POW.