
Eine heftige Auseinandersetzung mit einem rivalisierenden Dinosaurier erklärt die schlüssellochförmige Öffnung in der Rüsche von Big John, dem massivsten Triceratops-Skelett, das je entdeckt wurde. Dies zeigt eine neue Studie.
Der Kampf ereignete sich vor über 66 Millionen Jahren. Wissenschaftler vermuten, dass ein anderer Triceratops der Angreifer war. Die Studie erschien am 7. April online in der Fachzeitschrift Scientific Reports.
„Die Lage, Form und Größe der Läsion deuten auf ein Horn eines ähnlich großen Triceratops hin“, erklärt Studienleiter Ruggero D'Anastasio, Professor für biologische Anthropologie an der G. d'Annunzio-Universität in Chieti-Pescara, Italien, in einer E-Mail an Live Science.
Big John maß etwa 8 Meter in der Länge, sein Schädel rund 2 Meter Breite. Das 2014 in der Hell-Creek-Formation in South Dakota gefundene Skelett ist zu 60 % vollständig. 2021 erzielte es bei einer Auktion in Paris 7,2 Millionen Dollar (6,6 Millionen Euro).
Vor der Auktion restaurierte Flavio Bacchia von der Firma Zoic das Fossil in Italien. Er entdeckte das Loch in der rechten Halskrause und kontaktierte Experten italienischer Universitäten zur Analyse.
Die „traumatische Verletzung“ misst 20 cm Länge und 5 cm Breite – länger als eine Hand. Sie entstand wohl nicht frontal.

„Der Aufprall kam vermutlich von hinten, ähnlich forensischen Einschusslöchern“, sagt D'Anastasio. Labortests mit einem Triceratops-Hornabguss bestätigten dies.
Big John überlebte die Verletzung zunächst. „Es gibt klare Heilungsspuren, doch der Triceratops starb, bevor sie abgeschlossen war“, betont D'Anastasio.
Knochenumbau-Analysen, verglichen mit modernen Reptilien, deuten auf mindestens sechs Monate Überleben hin. „Möglicherweise starb er an einer Infektion – eine Hypothese“, fügt er an.
Solche Schädelverletzungen sind bei gehörnten Dinosauriern häufig. Spencer Lucas, Paläontologie-Kurator am New Mexico Museum of Natural History and Science, bestätigt: „Eine gute, überzeugende Studie – die erste, die dies systematisch prüft.“
Allerdings könnte auch ein Torosaurus der Täter gewesen sein. „Ohne Hornrest im Fossil bleibt es spekulativ“, sagt Lucas.
Die Entdeckung unterstützt die Idee sozialer Gruppen bei Triceratops am Ende der Kreidezeit (145–66 Mio. Jahre). Kämpfe dienten Dominanz- oder Territorialsicherung, ähnlich bei modernen Tieren.
„Das gibt Einblick ins Verhalten“, resümiert Lucas. Kritik: Der private Käufer behindert Forschungszugang. „Publizierte Fossilien sollten öffentlich verfügbar sein“, fordert er.