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Autopsie eines 100-jährigen Grönlandhais: Meningitis als Todesursache nach Strandung in England

Autopsie eines 100-jährigen Grönlandhais: Meningitis als Todesursache nach Strandung in England

Der seltene Grönlandhai, der im vergangenen Monat an der englischen Küste strandete, litt laut einer professionellen Tierautopsie an einer schweren Gehirninfektion zum Zeitpunkt seines Todes.

Pathologen der Zoological Society of London (ZSL) fanden klare Hinweise auf Meningitis, eine Entzündung der Schutzmembranen um Gehirn und Rückenmark. Dies markiert den ersten dokumentierten krankheitsbedingten Tod bei einem Grönlandhai (Somniosus microcephalus), einer langlebigen und schwer zugänglichen Art aus den Tiefen der Arktis und des Nordatlantiks.

„Während der Obduktion wirkte das Gehirn leicht verfärbt und verstopft, die umgebende Flüssigkeit war trüb – klassische Anzeichen einer Infektion“, erklärt James Barnett, Pathologe beim Cornwall Marine Pathology Team, das zum U.K. Cetacean Strandings Investigation Programme (CSIP) und zur ZSL gehört.

Mikroskopische Analysen der Gehirnflüssigkeit bestätigten das Vorhandensein von Pasteurella-Bakterien. „Diese könnten die Meningitis verursacht haben“, betont Barnett.

Autopsie eines 100-jährigen Grönlandhais: Meningitis als Todesursache nach Strandung in England

Der Hai war schätzungsweise rund 100 Jahre alt – relativ jung für seine Art, die bis zu 272 Jahre erreichen kann, wie eine 2016 in Science publizierte Studie belegt. Dieses Exemplar war ein jugendliches Weibchen.

Mit 4 Metern Länge und 285 Kilogramm Gewicht strandete der Hai am 13. März, wie Live Science zuvor berichtet. Ein Sportbootunternehmen barg den Körper am 15. März. Es handelt sich um die zweite dokumentierte Strandung eines Grönlandhais in Großbritannien.

Die Meningitis erklärt vermutlich, warum der Tiefseebewohner sein Habitat verließ und strandete, so die ZSL-Erklärung.

Der Körper zeigte Verletzungen, Blutungen um die Brustflossen und Schlamm im Magen – Indizien, dass der Hai bei der Strandung noch lebte. „Dies ist eine der ersten Obduktionen eines Grönlandhais in Großbritannien und der erste Meningitis-Fall bei dieser Art“, fasst Barnett zusammen.

„Der Fund gewährt Einblicke in Leben und Tod einer wenig erforschten Spezies“, sagt CSIP-Projektleiter Rob Deaville. „Tiefseeorganismen wie Grönlandhaie sind anfällig für anthropogene Einflüsse, doch hier fehlen noch Belege für Zusammenhänge.“

Das Team bereitet eine wissenschaftliche Publikation zum Obduktionsbericht vor.