Von Nicole Pajer
In den vergangenen Jahren mehren sich Berichte über Wildtiere, die Haustiere bedrohen. Schlagzeilen berichten von tragischen Vorfällen, bei denen hungrige Kojoten unbeaufsichtigte Hunde oder Katzen angreifen. Kojoten rauben Welpen aus Gärten und sorgen für Aufregung. Doch wie häufig sind solche Angriffe in städtischen und vorstädtischen Gebieten? Müssen Haustierbesitzer wirklich besorgt sein? Wir haben Expertinnen wie Dr. Shari Rodriguez von der Clemson University und Camilla Fox von Project Coyote befragt, um Fakten zu klären und praxisnahe Schutzmaßnahmen zu empfehlen.
Sind Kojoten eine Gefahr für Haustiere?
Kojoten, einst Bewohner unberührter Wildnis, haben sich erfolgreich in urbanen Gebieten ausgebreitet. „Kojoten gibt es mittlerweile fast überall, sogar in Stadtzentren“, erklärt Dr. Shari Rodriguez, Assistenzprofessorin für menschliche Dimensionen der Wildtiere an der Clemson University. Sie berichtet von einem beeindruckenden Foto eines Kojoten, der in Portland in eine U-Bahn einstieg, sich auf einem Sitz zusammenrollte und einschlief.
„Durch die wachsende menschliche Bevölkerung und die Bebauung ehemals wilder Flächen begegnen wir häufiger Wildtieren wie Kojoten“, sagt Camilla Fox, Gründerin und Geschäftsführerin von Project Coyote, das friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier fördert. „Lebensraumveränderungen und Nahrungsquellen ziehen sie an.“
Rodriguez betont, dass Kojoten Generalisten sind: Sie haben flexible Anforderungen an Habitat und Nahrung. „Sie ernähren sich von natürlicher Beute wie Kaninchen, Eichhörnchen, Rehkitzen, Insekten, Früchten, Vögeln, Amphibien und Reptilien. Aber sie nutzen auch Haustiere, Kleinvieh, Abfälle oder Nutzpflanzen.“ Kojoten kommen von Mittelamerika bis zur Arktis vor.
Greift ein Kojote Hunde an? „Jeder kennt eine Horrorgeschichte, doch solche Fälle sind selten“, sagt Rodriguez. „Sie passieren meist durch riskantes Verhalten der Besitzer, wie unbeaufsichtigtes Freilaufen oder Spaziergänge nachts in der Stadt.“ Kojoten handeln instinktiv: „Ein Kojote bleibt ein Kojote – er sucht die einfachste Nahrungsquelle.“
Auch in Städten bevorzugen Kojoten Nagetiere und Früchte, schnappen sich aber leicht zugängliche Haustiere, ergänzt Fox. „Ein fettes, flauschiges Haustier ohne Abwehr ist für einen Kojoten Beute. Freilaufende Tiere werden Teil des Ökosystems.“
Haustiere vor Kojoten schützen: Bewährte Tipps
„Kojoten sind hierzulande etabliert“, warnt Rodriguez. Sicherheit erfordert Anpassung unseres Verhaltens. „Vermeiden Sie riskante Praktiken, um Konflikte zu verhindern.“ Hier die wichtigsten Maßnahmen der Expertinnen:
Achten Sie auf Anziehungskraft zwischen Hunden und Kojoten: „Hunde und Kojoten sind genetisch nah verwandt und ziehen sich an“, erklärt Fox. „Oft startet der Hund das Jagdverhalten – doch der Kojote trägt die Schuld.“
Füttern Sie Wildtiere nicht: Menschliche Nahrung lockt Kojoten in Gärten, betont Fox. „Vermeiden Sie absichtliches oder unbeabsichtigtes Füttern.“
Nie unbeaufsichtigt lassen: Halten Sie Ihr Haustier immer im Blick. Nutzen Sie eine feste 6-Fuß-Leine, keine ausziehbaren. „Diese bieten keine Kontrolle bei Begegnungen“, rät Dr. Kate Magers, Tierärztin am Pennfield Animal Hospital in Missouri. Vermeiden Sie Dämmerungsspaziergänge. Kojoten sind nachtaktiv – tragen Sie eine Lampe.
Füttern Sie drinnen: Futter im Freien zieht Kojoten an. „Bei Notwendigkeit mittags füttern und Reste sofort entfernen“, empfiehlt Magers.
Extra wachsam in der Brutzeit: „Von April bis August schützen Kojoteneltern ihre Jungen aggressiver“, sagt Fox. Leinepflicht und Beobachtung sind essenziell.
Lockstoffe entfernen: Kompost, Grills, Vogelfutter, Fallobst und offener Müll sind Anreize. „Vogelfutter lockt Nagetiere – und damit Kojoten“, warnt Fox. Sichern Sie Tonnen.
Garten unattraktiv gestalten: Trimmen Sie Sträucher, installieren Sie kojotensichere Zäune (mind. 6 Fuß hoch, 6 Zoll eingegraben oder mit 12-Zoll-Maschenschürze). Bewegungssensoren mit Licht oder Sprinklern helfen, rät Magers.
Abschreckgeräte testen: Anti-Kojoten-Halsbänder und Kevlar-Westen mit Stacheln gibt es. „Wirksamkeit ist nicht statistisch bewiesen“, sagt Rodriguez – setzen Sie auf Grundmaßnahmen.
Bei Sichtung: Aufrecht stehen, Augenkontakt halten, laut schreien, klatschen, beleuchten oder werfen. Aggressiv auf den Kojoten zugehen, nicht wegrennen. Beim Spaziergang Abstand gewinnen.
Was tun bei einem Angriff?
Bei Biss sofort zum Tierarzt: Wunden reinigen, Antibiotika, Tollwut-Impfung prüfen, rät Magers. Tollwut bei Kojoten ist selten (z. B. in Kalifornien seit 1990 keinem Fall), häufiger bei Fledermäusen oder Waschbären, sagt Fox.
Melden Sie Angriffe der Wildschutzbehörde, fordert Rodriguez. „Gewöhnte Kojoten werden dreist.“
Kojoten sind nordamerikanische Ureinwohner und essenziell für gesunde Ökosysteme, betont Fox. „Mit Verhaltensänderungen können Mensch und Kojote friedlich koexistieren.“