Ohrabszesse bei Schildkröten
Land- und Wasserschildkröten, besonders Dosenschildkröten und aquatische Arten, sind anfällig für Mittelohrentzündungen. Unbehandelt bilden sich oft feste Eiterpfropfen in der Paukenhöhle, die den Raum verstopfen.
Die Paukenhöhle liegt direkt hinter dem Mundwinkel und wird von einer dünnen Hautmembran abgedeckt. Bei gesunden Tieren liegt diese Membran flach am Kopf an. Bei Infektionen wölbt sich die mit Eiter gefüllte Höhle nach außen und bildet einen sichtbaren Knoten seitlich am Kopf. Eine unter der Ohrmuschel eingeklemmte Infektion nennt man Ohrenabszess.
Unbehandelt kann sich die Infektion auf Kiefer und Schädel ausbreiten – in Extremfällen reißt sogar die geschwollene Membran.
Symptome einer Ohrinfektion
- Schwellung oder Vorwölbung der Ohrmuschel (hinter dem Mundwinkel)
- Dicker Eiter sichtbar durch die Ohrmembran
- Schmerzen beim Öffnen des Mundes
- Schluckbeschwerden
- Fressunlust
- Kopfreiben an Objekten oder Kratzen am Ohr
- Augenentzündung
Ursachen
Ohrabszesse entstehen meist durch ein geschwächtes Immunsystem, verursacht durch Vitamin-A-Mangel in der Futterration oder unhygienische Haltungsbedingungen. Wasserschildkröten in fäkalienbelastetem Wasser schlucken Bakterien, die über die Eustachischen Röhren ins Mittelohr gelangen. Auch Verletzungen der Membran durch Umgebungsgegenstände oder Artgenossen begünstigen Infektionen.
Diagnose
Ein erfahrener Reptilien-Tierarzt untersucht gründlich Maul und Körper, entnimmt Blutproben und erfragt Ernährung sowie Haltungsbedingungen. Die Ursache muss identifiziert werden, um Rezidive zu vermeiden.
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Behandlung
Der Eiter muss chirurgisch entfernt werden. Unter Narkose schneidet der Tierarzt eine Öffnung in die Membran, hebt den Pfropfen heraus, spült die Höhle mit steriler Kochsalzlösung (ggf. antimikrobiell) und füllt sie mit Antibiotika-Salbe. Ein injizierbares Antibiotikum wird verabreicht, oft ergänzt durch orales.
Die Heilung dauert Wochen. Halten Sie die Schildkröte in einem separaten, warmen, feuchten Bereich mit täglicher Reinigung und frischen Unterlagen. Luftbefeuchter stabilisieren die Feuchtigkeit. Bei Aquatischen gelten spezielle Wasserpflegehinweise vom Tierarzt.
Vorbeugung
Bei Vitamin-A-Defizit plant der Tierarzt eine angepasste Fütterung. Hygiene ist entscheidend: Regelmäßiges Desinfizieren von Becken und Näpfen ohne Chemikalien, Überwachung von Temperatur und Feuchtigkeit verhindern Infektionen.