Stellen Sie sich vor, Sie haben mehr gegessen, als Sie verkraften konnten – genau so erging es diesem argentinischen Hornfrosch kurz vor seinem Tod.
In einer Studie mit dem Titel „To have a frog in the throat: micro-CT imaging of anuran prey in Ceratophrys ornata“, veröffentlicht in der Juni-Ausgabe 2015 von Salamandra – German Journal of Herpetology, beschreibt Dr. Thomas Kleinteich vom Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel den sensationellen Fund: Einen vollständig intakten Frosch in der Verdauungshöhle eines Ceratophrys ornata. Die Entdeckung gelang durch hochauflösende Mikro-CT-Bildgebung.
Umgangssprachlich als „Pac-Man-Frösche“ bekannt, öffnen Ceratophrys-Arten ihr Maul extrem weit und verschlingen Beute, die fast ihre gesamte Körpermasse ausmacht – daher der Name.
Sie sind klassische „Sitz-und-Warte“-Jäger: Regungslos getarnt lauern sie, bis die Beute in Reichweite ist, statt aktiv zu jagen.
Wie alle Frösche sind Ceratophrys-Arten Fleischfresser. Kleinere Frösche beschränken sich auf Insekten oder Spinnen, doch diese großen Exemplare mit ihren massiven Mäulern und Mägen erbeuten auch Schlangen, Nagetiere, Eidechsen und sogar Artgenossen.
Bei diesem weiblichen Hornfrosch war der Appetit fatal: Der Beutefrosch, ein Lithobates pipiens (Nördlicher Leopardenfrosch), hing kopfüber im Magen, sein linkes Bein ragte noch durch die Speiseröhre und der Fuß ruhte auf der Zunge. Der Leopardenfrosch maß mehr als die Hälfte der Länge des Hornfroschs – die Todesursache war vermutlich eine Blockade der Atemwege.

Der Nördliche Leopardenfrosch lebt in Kanada und den USA, der Argentinische Hornfrosch in Argentinien, Uruguay und Brasilien. Das Exemplar stammte aus dem Zoologischen Museum Hamburg. Ohne Herkunftsangaben wird vermutet, dass beide in Gefangenschaft zusammen gehalten wurden.
Quelle: Salamandra – Deutsche Zeitschrift für Herpetologie, Ausgabe 51, Juni 2015
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