Die lauten Rufe von Nilpferden (Hippopotamus amphibius) sind aus über einem Kilometer Entfernung hörbar. Hört ein Nilpferd den dröhnenden Ruf eines unbekannten Artgenossen, reagiert es oft mit einem spektakulären Dungstrahl – einem echten "Poop-Tornado".
Nilpferde versprühen Dung, um ihr Territorium zu markieren. Eine neue Studie, veröffentlicht am 24. Januar in der renommierten Zeitschrift Current Biology, zeigt erstmals: Der Ruf eines fremden Nilpferds löst dieses Verhalten gezielt aus. Forscher beobachteten Nilpferde im Maputo Special Reserve in Mosambik und stellten fest, dass die Tiere Rufe je nach Herkunft unterscheiden – ob aus derselben, benachbarten oder ferner Gruppe.
Nilpferde erkennen Bekannte von Fremden anhand des charakteristischen "Keuchhupens", ihrem typischen Ruf.
"Der Keuchhupen beginnt mit einem hohen Keuchen, gefolgt von tiefen Hupen – wie eine Posaune, die in kehliges Lachen übergeht", erklärt Maria Maust-Mohl, außerordentliche Professorin für Tierkommunikation am Manhattan College in New York, die nicht an der Studie beteiligt war. Nilpferde "choren" oft gemeinsam und reagieren auf Umweltveränderungen, wie Maust-Mohl und Kollegen 2015 in The Journal of the Acoustical Society of America beschrieben.
Diese Studie belegt nun: Der Keuchhupen hilft Nilpferden, soziale Gruppen zu definieren und Freund von Feind zu trennen. "Als territoriale Tiere passen sie diese Fähigkeit an, um Bedrohungen früh zu erkennen", betont Maust-Mohl. So kommunizieren sie Identität und Präsenz in geteilten Habitaten.
Die Stichprobe ist klein, merkt Camille Fritsch, Postdoktorandin für Verhaltensökologie an der Universität KwaZulu-Natal (nicht beteiligt), an. Weitere Studien in größeren Gruppen, variierenden Habitaten und Jahreszeiten sind nötig, da Nilpferde in Trocken- und Regenzeit wandern.
Nachts fressen Nilpferde bis zu 35 kg Gras und ruhen tagsüber in Gruppen: Ein dominantes Männchen, Weibchen, Jungtiere und periphere Männchen. Mehrere Gruppen teilen oft einen See.
"Können Nilpferde sich an Stimmen erkennen?", fragte sich Nicolas Mathevon, Co-Seniorautor und Leiter des Sensory Neuro-Ethology Teams an der Universität Saint-Etienne. Das Team zeichnete Keuchhupen von sieben Gruppen (3–22 Tiere) im Reservat auf – typisch 10–25 pro Gruppe, wie Parkwächter Miguel Gonçalves bestätigt.
Lautsprecher 70–90 m entfernt spielten die Aufnahmen ab. Nilpferde antworteten mit Hupen, Annäherung oder Dungmarkierung – je nach Ruf:
- Geringste Reaktion auf eigene Gruppe.
- Stärker auf benachbarte (Hupen, Annäherung).
- Aggressivst auf Fremde: Häufige Markierungen.
"Weniger Aggression gegenüber Bekannten macht Sinn, da Gruppen saisonal fusionieren", erklärt Fritsch. Zukünftige Studien könnten Dynamiken in Flüssen oder bei Dichteschwankungen beleuchten.
Für Naturschutz: Stimmen könnten Umsiedlungen erleichtern, indem lokale Gruppen "vorgewöhnt" werden, schlägt Mathevon vor. Gonçalves sieht Potenzial zur Populationsschätzung via Rufdichte. Obwohl global rückläufig, wächst die Population im Reservat.
"Besseres Verständnis sozialer Strukturen verbessert Schutzstrategien", fasst Maust-Mohl zusammen.
Anmerkung des Herausgebers: Dieser Artikel wurde am 25. Januar mit Kommentaren von Parkwächter Miguel Gonçalves aktualisiert. Erstmals gepostet am 24. Januar.