Von Jennifer Kvamme, DVM
Als Tierärztin mit langjähriger Erfahrung weiß ich, wie herausfordernd Nierenerkrankungen für Tierhalter und Kollegen sind. Oft bleiben Symptome bei Hunden und Katzen lange unbemerkt, und die Ursachen sind schwer zu diagnostizieren. Doch Forscher entwickeln innovative Lösungen, um genau das zu ändern.
Was ist eine Nierenerkrankung?
Bei Hunden und Katzen unterscheiden wir akute und chronische Formen. Bei der akuten Variante versagen die Nieren abrupt – oft durch Infektionen, Verletzungen, Giftstoffe oder innere Probleme wie Tumore oder Nierensteine.
Chronische Nierenerkrankungen schleichen sich über Monate ein, ohne klare Warnsignale. Unbehandelt können sie zu lebensbedrohlichem Nierenversagen führen.
Symptome einer Nierenerkrankung bei Hunden und Katzen
Die Niere besteht aus Tausenden winziger Nephronen. Solange genug davon funktionieren, bleiben Symptome aus. Erst bei starkem Verlust treten Probleme auf.
Frühphasen verlangsamen die Filterung, Toxine häufen sich an. Typische Anzeichen: Lethargie, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Durchfall.
Typische Diagnose einer Nierenerkrankung
Nach der klinischen Untersuchung folgen Bluttests und Urinanalyse. Erhöhte BUN- und Kreatininwerte im Blut deuten auf Probleme hin. Der Urin zeigt Proteinverlust oder Infektionen. Ergänzend können Röntgen oder Ultraschall Nierengröße und -struktur prüfen – doch diese sind nicht immer eindeutig. Weitere Tests sind oft nötig.
Neueste Forschung zur Diagnose von Nierenerkrankungen
Wissenschaftler der Oregon State University haben den Biomarker symmetrisches Dimethylarginin (SDMA) entdeckt, den Hunde und Katzen bei Nierenschäden produzieren.
SDMA entsteht beim Proteinabbau, gelangt ins Blut und wird normalerweise renal ausgeschieden. Erhöhte Werte zeigen sich Monate früher als BUN oder Kreatinin – und unabhängig von Leber-, Herz- oder Cushing-Erkrankungen.
Studien belegen: Bei Katzen warnt SDMA bis zu 17 Monate früher (Yerramilli et al.). Bei Hunden mit chronischer Erkrankung sogar 9,5 Monate (Hall et al.).
Der neue SDMA-Test für Hunde und Katzen
Dieser Durchbruch ermöglicht einen Screening-Test für frühe Stadien. IDEXX Reference Laboratories integriert ihn in Standard-Blutchemiepanels.
Tierärzte erkennen Risiken früher, starten Überwachung und Therapie rechtzeitig – und verlängern so die Lebenszeit um Monate oder Jahre.
Behandlung von Nierenerkrankungen bei Hunden und Katzen
Ziel: Belastung der verbleibenden Nephronen minimieren. Frühe Diagnose erhöht die Erfolgschancen. Initial stabilisieren wir mit Schmerzmitteln, Infusionen und Antiemetika. Infektionen bekämpfen wir antibiotisch, Steine operativ oder diätetisch.
Langfristig: Nierendiät mit reduziertem Protein, Natrium und Phosphor, aber hochwertigen Quellen, Antioxidantien und Omega-Fettsäuren. Prognose hängt vom Stadium ab – früh erkannt reicht oft Diät plus Kontrollen; fortgeschritten braucht Flüssigkeitsgabe und Symptommanagement.
Keine Heilung, aber effektive Symptomkontrolle und Schädenvermeidung schenken mehr Zeit mit Ihrem Liebling. Der SDMA-Test markiert einen Meilenstein.
Referenzen
Yerramilli M, Yerramilli M, Obare E, Jewell DE, Halle JA. Symmetrisches Dimethylarginin (SDMA) steigt bei Hunden mit chronischer Nierenerkrankung (CNI) früher an als Serum-Kreatinin. [ACVIM-Zusammenfassung NU-42]. J Vet Intern Med 2014;28(3):1084-1085. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jvim.12361/abstract. Abgerufen am 14. Januar 2015.
Hall JA, Yerramilli M, Obare M, Yerramilli M, Melendez LD, Jewel DE. Beziehung zwischen fettfreier Körpermasse und renalen Biomarkern im Serum bei gesunden Hunden. J Vet Intern Med 2015;29(3):808-814.