Haben Sie bemerkt, dass Ihr Hund besonders aufmerksam und anhänglich wird, wenn Sie ängstlich sind?
Verhält sich Ihr Hund gegenüber Hundefreunden anders als gegenüber Menschen, die Angst vor Hunden haben?
Hunde besitzen einen außergewöhnlichen Geruchssinn – aber können sie wirklich Angst riechen? Und wenn ja, wie funktioniert das?
Können Hunde Angst riechen? Die Antwort der Wissenschaft
Die Wissenschaft gibt ein klares Ja: Hunde können Angst riechen. Dank ihrer olfaktorischen Superkräfte erkennen sie den emotionalen Zustand eines Menschen anhand der chemischen Signale im Schweiß. Angst vor Hunden zu verbergen ist für sie unmöglich.
Bis vor Kurzem war dies eine Theorie, doch die Studie „Interspecies Transmission of Emotional Information via Chemosignals: From Humans to Dogs“ (Alvarez & DeVries, 2017) belegt es empirisch – zumindest bei Golden Retrievern und Labrador Retrievern. Hunde riechen Emotionen und reagieren darauf.
Bei Angst sondert der menschliche Körper vermehrt Schweiß ab, vor allem in den Achselhöhlen. Dieser enthält Pheromon-ähnliche Chemosignale, die Hunde wahrnehmen.
Unterscheiden Hunde zwischen Angst- und Glücksgeruch?
Forscher testeten, ob Hunde auf Gerüche aus verschiedenen emotionalen Zuständen unterschiedlich reagieren: Angst, Glück und neutral.
In der Studie wurden Hunde drei Reizen ausgesetzt: ihrem Besitzer, einem Fremden (Kontrollgruppe) und einem Geruchsspender. Die Tiere erhielten zufällig Gerüche aus Achselpads männlicher Spender in ängstlichem, glücklichem oder neutralem Zustand.
Beobachtet wurden Verhaltensweisen, Stresssignale und Herzfrequenz. Bei „glücklichen“ Gerüchen interagierten Hunde stärker mit dem Fremden und zeigten eine niedrigere Herzrate.
Bei „Angstgeruch“ hingegen zeigten sie mehr Stressverhalten, höhere Herzfrequenzen (Kampf-/Flucht-/Erstarrungsreaktion des autonomen Nervensystems) und suchten vermehrt Trost beim Besitzer. Interaktionen mit dem Fremden waren reduziert.
Fazit der Studie: Chemosignale ermöglichen eine artübergreifende emotionale Kommunikation. Unsere Angst überträgt sich auf Hunde.
Was Hunde-Sinne über Ihre Gefühle verraten
Hunde helfen uns, eigene Emotionen zu erkennen. Viele mit chronischer Angst merken nicht, dass sie dauerhaft im Stressmodus sind.
Ein sensibler Hund signalisiert frühe Angstsymptome und unterstützt die Verarbeitung.
Hunde spiegeln unsere Energie wider – bleiben Sie in stressigen Situationen wie beim Tierarzt ruhig, damit es Ihrem Tier guttut.
Achten Sie auf Ihr Hundeverhalten: Es offenbart oft mehr über Ihre Psyche als gedacht. Ihre mentale Gesundheit und die Ihres Haustiers sind gleich wichtig.
Von Dr. Sarah Wooten, Tierpsychologin und Expertin für Hunde-Verhalten