Von Kate Hughes
Für uns Menschen gilt Nägelkauen oft als nervöse Gewohnheit, die abzulegen ist. Bei Katzen hingegen ist es ein ganz normales Pflegeverhalten. „Bis zu einem gewissen Grad gehört es zur natürlichen Katzenpflege“, erklärt Dr. Carlo Siracusa, klinischer Assistenzprofessor für Verhaltensmedizin an der University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine in Philadelphia.
Während fast alle Katzen gelegentlich an ihren Krallen kauen, sollten Besitzer dieses Verhalten beobachten. Wird es übermäßig, kann es auf gesundheitliche Probleme hindeuten.
Normales Nägelkauen und Krallenpflege
Wie Siracusa betont, ist Krallenkauen bei der Pflege zu erwarten. „Beim Putzen lecken Katzen ihre Pfoten und kauen oft an Nägeln oder Ballen, um Schmutz, Abfälle oder Rückstände zu entfernen“, sagt er. „Das steckt leicht in den weichen Ballen – es ist essenziell für die Reinigung.“ Auch bei splitternden oder lockeren Krallenstücken kauen Katzen diese ab, um Verfangen zu vermeiden.
Viele Katzen putzen sich jedoch diskret an versteckten Orten. „Manche suchen Privatsphäre, andere pflegen sich offen vor den Augen ihrer Besitzer“, fügt Siracusa hinzu. „Sie kennen ihre Katze am besten.“
Katzen pflegen ihre Krallen geschickt, wenn sie kratzen können. „Mit Kratzbäumen oder Teppichen halten sie die Nägel in Form“, rät Siracusa. „Bieten Sie verschiedene Typen an – horizontal, vertikal, unterschiedliche Materialien –, um Interesse zu wecken.“
Ohne Kratzmöglichkeiten wachsen Krallen zu lang und verursachen Läsionen oder Lahmheit. „Gesunde Katzen mit Zugang zu Kratzflächen brauchen selten intensives Kauen“, versichert er.
Abnormales Nägelkauen: Ursachen und Lösungen
Exzessives, obsessives Kauen gilt als anormal, erklärt Dr. Nicolas Dodman, emeritierter Professor für Haustierverhalten an der Cummings School of Veterinary Medicine der Tufts University und Autor von The Cat Who Cried for Help.
Ursachen sind meist Verletzungen, Infektionen oder Angst. „Ähnlich wie beim Menschen signalisiert übermäßiges Kauen oft Stress“, sagt Dodman. Auslöser: neue Tiere, Alleinsein, Umweltveränderungen – sogar ein freches Eichhörnchen am Fenster.
Gegen Angst helfen Routine, Bewegung und ggf. Medikamente. „Stimmungsstabilisierer wirken nach Wochen und beruhigen die Katze langfristig“, empfiehlt Dodman.
Infektionen (Bakterien, Pilze) reizen die Pfoten; Rassen wie Perser sind anfällig. Chemikalien oder zu kurzes Krallenschneiden fördern sie. „Die empfindlichen Ballen sind schutzlos“, warnt Siracusa.
Ihre Katze kennenlernen
Gelegentliches Nägelkauen ist harmlos. Bei Verletzungen oder Häufung: Tierarztbesuch! „Neues, obsessives Verhalten immer abklären“, rät Dodman. „Kennen Sie Ihre Katze – das ist der Schlüssel.“