Ohrtrauma bei Katzen
Aus unserer langjährigen Praxis als Tierärzte wissen wir: Die meisten Ohrverletzungen bei Katzen entstehen durch selbstzufügliches Kratzen, abgesehen von Kampfverletzungen. Dies führt oft zu Entzündungen, Verschorfungen, Abszessen (Infektionen) oder Hämatomen (Blutansammlungen unter der Haut durch Trauma). Auslöser für das aggressive Kratzen sind vielfältig. Kampfverletzungen äußern sich typischerweise als Schnitt-, Riss- oder Stichwunden, die ebenfalls zu Schwellungen führen können.
Worauf Sie achten sollten
- Schorfe, Haarausfall, entzündete oder wunde Haut am Ohr und drumherum
- Blutungen, Ausfluss oder Krusten im Gehörgang
- Geschwollenes Ohr
- Ein Ohr nach unten hängen lassen
- Kratzen am Ohr, eventuell Kopfschütteln
Hauptursachen
Ohrinfektionen und Ohrmilben sind die häufigsten Probleme bei Katzen und verursachen starkes Kratzen. Auch Kämpfe können zu Ohrtraumen führen.
Sofortmaßnahmen zu Hause
- Bei aktiver Blutung außerhalb des Gehörgangs: Direkten Druck mit den Fingern ausüben (Handschuh tragen, um Kontakt mit Blut zu vermeiden).
- Gaze oder saugfähiges Material eignet sich, haftet aber oft nicht dauerhaft und die Blutung kann wieder einsetzen.
- Nägel der Katze kürzen, insbesondere an den Hinterpfoten.
- Bei starker Blutung oder Anzeichen einer Entzündung sofort zum Tierarzt gehen.
Tierärztliche Versorgung
Diagnose
Ihr Tierarzt untersucht die Katze zunächst ganzheitlich, bevor er das Ohr genauer betrachtet. Bei Schwellungen entnimmt er eine Flüssigkeitsprobe zur Analyse. Bei Ausfluss erfolgt eine Probenentnahme, ggf. mit Kultivierung. Ohrmilben sind mikroskopisch oder otoskopisch leicht erkennbar.
Behandlung
Kampfwunden werden wie andere Wunden gereinigt, mit Antibiotika therapiert und bei Bedarf unter Sedierung genäht.
Bei kratzbedingten Verletzungen muss die Ursache bekämpft werden. Ohrmilben behandeln wir meist mit einem topischen Mittel auf Selamectin-Basis.
Abszess-Ohren werden entleert, gereinigt und antibiotisch therapiert. Bei Hämatomen aspirieren wir das Blut und setzen Drainagestiche, Fäden entfernen sich nach 14 Tagen. Kratzursachen sind immer mitzubehandeln.
Andere Ursachen
Weitere Auslöser für Ohrkratzen sind systemische Erkrankungen wie Ringelflechte (Dermatophytose), Räude (Krätzemilben oder Demodex), eosinophile Plaques oder Tumore. Grannen oder Fremdkörper im Ohr reizen ebenfalls stark.
Verlauf und Management
Bei adäquater Therapie heilt das Ohr meist problemlos. Wiederholte Infektionen können Polypen im Gehörgang bilden, die operativ entfernt werden müssen.
Prävention
Vollständige Vorbeugung ist schwierig, doch frühe Behandlung verhindert Komplikationen aus Kleinigkeiten.