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100 Millionen Jahre alte Kakerlake mit riesigen Augen: Bernsteinfund enthüllt tagaktives Verhalten

100 Millionen Jahre alte Kakerlake mit riesigen Augen: Bernsteinfund enthüllt tagaktives Verhalten

Moderne Kakerlaken huschen bei Lichtschein davon – ihre Vorfahren waren jedoch tagaktiv. Ein makellos erhaltener Bernsteinfund einer großäugigen Kakerlake aus der Kreidezeit belegt dies eindrucksvoll.

Ihre enormen Facettenaugen ermöglichten wahrscheinlich die Nahrungssuche bei Tageslicht.

Forscher kannten die ausgestorbene Art Huablattula hui bereits, doch erst nun ermöglicht dieser Fund einen detaillierten Blick auf ihre Augen.

„Das Exemplar ist außergewöhnlich gut erhalten und zeigt morphologische Details bis ins Kleinste“, erklärt Studienleiter Ryo Taniguchi, Doktorand am Department of Natural History Sciences der Hokkaido University in Japan.

Sinnesorgane wie Augen, Antennen oder Ohren verraten viel über den Lebensstil eines Tieres. Eulen nutzen asymmetrisches Gehör zur Beutedetektion, Höhlenfische verzichten auf nutzlose Augen. Bei Insekten sind solche Strukturen jedoch selten fossil erhalten.

100 Millionen Jahre alte Kakerlake mit riesigen Augen: Bernsteinfund enthüllt tagaktives Verhalten

„Insektenorgane sind zu zerbrechlich für Sedimentfossilien“, betont Taniguchi. „Bernstein konserviert sie jedoch perfekt, da er das Gewebe direkt einbettet.“

Dieser männliche H. hui blieb vor 100 Millionen Jahren in myanmarischem Baumharz stecken, das zu Bernstein verhärtete – mitten in der Kreidezeit.

Taniguchi und Kollegen von Hokkaido und Fukuoka University analysierten die Sinnesorgane mit Fotografie, Mikro-CT-Scans und Dünnschnitten (200 Mikrometer dick).

Im Gegensatz zu modernen Kakerlaken mit kleinen Augen und sensiblen Antennen besaß H. hui gut entwickelte Facettenaugen, aber wenige Antennensensoren.

„Diese Merkmale deuten auf visuelle Orientierung bei Nahrungssuche und Raubtiervermeidung hin“, so Taniguchi gegenüber Live Science.

Ihr Verhalten ähnelte modernen tagaktiven Gottesanbeterinnen, engen Kakerlaken-Verwandten.

Der Fund zeigt: Kakerlaken waren ökologisch vielfältiger. Heutige nachtaktive Arten (über 4.600) stammen nicht direkt von H. hui ab; diese Linie erlosch wohl durch Konkurrenz.

Taniguchi plädiert für „Paläo-Neurobiologie“ zur Erforschung vergangener Sinneswelten. Die Studie erschien im September 2021 in The Science of Nature.